Navigationspfad: Home
medizin-forum.de • Thema anzeigen - Blutzuckerwerte normal oder prädiabetisch?
Aktuelle Zeit: 19.10.17, 11:54

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 10 Beiträge ] 
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: 29.04.13, 20:43 
Offline
Interessierter

Registriert: 29.04.13, 15:30
Beiträge: 10
Hallo,

ich bin 38, m, 185 cm groß, wiege 85 Kilo, mein BMI beträgt ca. 25, der Bauchumfang 90 cm.

Meine letzten BZ-Laborwerte waren:
Datum .. Wert .. Referenzbereich .. Parameter
08.2009 .. 79 .. 70-110 mg/dl .. Glucose (Hexokinase)
08.2009 .. 5,4 .. 4,2-6,0 % .. HbA1c
06.2012 .. 92 .. 74-110 mg/dl .. Blutzucker

Ich habe jetzt ein Profil meiner Blutzuckerwerte über die letzten Tage hinweg erstellt. Außerdem habe ich heute einen oGTT in Eigenregie gemacht. Alle Werte habe ich mithilfe eines normalen BZ-Handmessgerätes ermittelt (klicke auf Bilddatei unten).

Wie man erkennt, habe ich einen verschobenen Tagesrhythmus, ich war schon immer eine typische 'Eule'. NBZ I bezeichnet die Nüchternblutzuckerwerte direkt nach dem Aufstehen, NBZ II die direkt vor dem 'Frühstück' (=1. Mahlzeit/1. MZ). Dazwischen habe ich nichts gegessen, aber manchmal Sport getrieben. Bei Angaben wie 99/103 habe ich zweimal hintereinander den BZ gemessen, weil der erste Wert mir seltsam vorkam. Den oGTT habe ich heute am 29.04. gemacht.

Was mir auffällt:
1. Durchschnittlich lag mein NBZ bei 97. Meine Nüchternwerte sind vor allen Dingen dann erhöht (>100 mg/dl), wenn ich am Vorabend eine kohlenhydratreiche Mahlzeit zu mir genommen habe und gerade auch dann, wenn ich am Vortag keinen Ausdauersport getrieben habe. Kann der Vortag so stark in den nächsten Morgen reinwirken?
2. Könnte es sein, daß meine Blutzuckerspitzen im Schlaf stattfinden? Einmal bin ich extra zum Messen um 7:30 aufgestanden (am 27.) und habe mich danach wieder hingelegt. Der Wert lag höher als zu meiner normalen Aufstehenszeit um 10 Uhr, sowohl an diesem Tag als auch gemessen am durchschnittlichen NBZ.
3. Ist es normal, daß der BZ auch nach dem Aufstehen weiter ansteigt, wenn man körperlich inaktiv bleibt (etwa bei Schreibtischarbeit)? Darauf deuten meine NBZ II-Werte vom 19. und 25. hin, die ich überraschend finde.
4. Bei mir ist der BZ 2 h nach einer Mahlzeit oft höher als 1 h danach. Ist das normal und wie kann man das erklären?
5. Ich verstehe den BZ-Verlauf nach Ausdauersport nicht richtig. Am 27. habe ich direkt im Anschluß an 40 min Radfahren einen quasi unveränderten BZ von 98/101 festgestellt. Ich habe mir daraufhin gedacht, daß ich wohl zu früh den BZ abgenommen habe. Aber als ich an demselben Abend nach einer weiteren Radtour (60 min) eine Stunde mit dem Messen gewartet habe, war der Wert ebenfalls noch seltsam hoch (98). Wann erreicht denn nun der BZ seinen Tiefpunkt nach sportlicher Anstrengung?
6. Mehrmals wichen einige kurz hintereinander abgenommene Meßwerte deutlich voneinander ab, obgleich ich an demselben Finger genommen habe. Die größte Differenz betrug 17 mg/dl (am 25.).

Mich interessiert, wie ihr meine BZ-Werte einordnet, als normal oder erhöht? Wie interpretiert ihr die BZ-Verläufe in Punkt 1 bis 6?

Bild


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 01.05.13, 09:26 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 11.08.06, 11:16
Beiträge: 964
Wohnort: Rhld.-Pfalz
Hallo,

obwohl die Systeme der Blutglukoseselbstkontrolle nicht geeignet sind für diagnostische Zwecke
(Fehlertoleranz bis 20%), kann man wohl annehmen, dass es sich hier um einen ganz normalen Stoffwechselverlauf handelt. Also kein Diabetes mellitus oder eine Vorstufe dessen.

Zitat:
Was mir auffällt:


Zu 1:
Nahrungszufuhr und körperliche Aktivität des Vortages kann die morgendliche Nüchterglukose
natürlich beeinflussen.

Zu 2:
Der Blutglukosewert steigt in den frühen Morgenstunden oft an infolge hormoneller Beeinflussung
durch vermehrte Ausschüttung von Insulin-Antagonisten. Dawnphänomen.

Zu 3:
Ja, Aufsteheffekt (Wechsel von der Horizontale in die Vertikale).

Zu 4:
Der postprandiale Blutglukoseverlauf ist individuell stark unterschiedlich. Außerdem ist er abhänging von der Glykämischen Last und der Zusammensetzung der Nahrung. Fett/Proteinbremse.

Zu 5:
Nach sportlicher Anstrengung müssen die Glukosespeicher der Muskelzellen wieder aufgefüllt werden.
Die Normalisierung des Blutglukosewertes ist ebenfalls individuell unterschiedlich und stark vom Ernährungs- und Fitnessstatus abhängig.

Zu 6:
Siehe oben! Fehlertoleranz bis zu 20 % zulässig.

_________________
Mit freundlichen Grüßen
Hans Reuter


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 04.05.13, 11:41 
Offline
Interessierter

Registriert: 29.04.13, 15:30
Beiträge: 10
Danke für die ausführliche Antwort.

Liegt die Fehlertoleranz eines Handmessgeräts bei plus/minus 20% (also in einem Bereich von 80-120 bei 100 mg/dl Echtwert) oder schlagen die BZ-Werte nur in eine der beiden Richtungen aus? Wäre ersteres der Fall müssten sich ja die Werte bei einer längeren Meßreihe statistisch zu einem weitgehend repräsentativen Durchschnittswert ausgleichen. Das führt mich zu der Folgefrage, ob meine BZ-Meßreihe mit 11 Nüchternwerten (Durchschnitt 97 mg/dl) am ungenauen Handgerät abgenommen nicht doch präziser ist als der Einmalwert aus dem Labor (2012: 92 mg/dl)?

Zu 1:
Was ich mich frage, ist, ob ich den höchsten Nüchternwerten, die mit maximal 113 mg/dl in den als prädiabetisch definierten Bereich hinaufgehen, besondere Aufmerksamkeit schenken soll, oder ob solche Ausreißer in den dreistelligen Bereich noch als normal gelten und ich mich besser an dem Durchschnittswert von 97 mg/dl orientieren soll? Ich muß dazu sagen, es war mein allererster, leicht erhöhter Wert von 105 mg/dl, den ich eigentlich nur spaßeshalber abgenommen habe, der mich verunsicherte und überhaupt erst zu einer Meßwoche veranlaßt hat.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 07.05.13, 11:27 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 11.08.06, 11:16
Beiträge: 964
Wohnort: Rhld.-Pfalz
Hallo,

die Testergebnisse der Blutglukoseselbstmessung "dürfen" plus/minus 20 % vom echten Wert abweichen, d.h. ein Ergebnis von 100 mg/dl kann nach unten einen Echtwert bis 80 mg/dl und nach oben bis 120 mg/dl darstellen. Meistens werden die Werte irgendwo dazwischen liegen. Die relativ niedrige Genauigkeit stört den Zweck der Selbstmessung, nämlich die Steuerung der diabetischen Behandlung, überhaupt nicht. Nur, zur Diagnose ist sie, weil zu ungenau, ungeeignet.

Besondere Aufmerksamkeiten sind Werten außerhalb des allgemein empfohlenen Zielwertespektrums
(nüchtern 90 bis 120 mg/dl und postprandial 140 bis 160 mg/dl) zu widmen. Beim Einhalten dieses Zielwertebereichs ergibt sich in der Regel auch ein Langzeitwert unter 6,5 %.

Wer viel misst, misst auch viel Mist. :lol:

_________________
Mit freundlichen Grüßen
Hans Reuter


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 07.05.13, 11:57 
Offline
Interessierter

Registriert: 29.04.13, 15:30
Beiträge: 10
Danke.

Ich hatte vergessen zu erwähnen, daß meine Mutter an Diabetes I erkrankt ist. Ich glaube aber, das spielt für meine Situation nur eine untergeordnete Rolle, denn laut ihrem schlauen Buch (ISBN 978-3-437-45755-5) liegt bei einem betroffenen Elternteil die Wahrscheinlichkeit der Vererbung bei nur ca. 5% (S. 6). Im Vergleich dazu liegt sie bei Diabetes II bei 40% (S. 4), was schon deftig ist.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 07.05.13, 14:23 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 01.03.07, 18:35
Beiträge: 603
Das oben empfohlene Zielwertespektrum nüchtern 90 bis 120 mg/dl und postprandial 140 bis 160 mg/dl gilt für die gute ärztliche Einstellung eines Diabetikers mit Insulin.
Gesunde Menschen messen morgens nüchtern deutlich unter 90 und in der Spitze 1 Stunde nach dem Essen von viiiielen KHs kurzzeitig maximal 140.

Für den gesunden Verlauf gibt es hier ne gesunde Grafik und [url=http://phlaunt.com/diabetes/DeutschMgDlFlyer.pdf]hier[/] ne Anleitung zur gesünderen BZ-Steuerung durch die Futterluke, wenn der BZ ohne Hilfe beginnt, die gesunden Grenzen zu überschreiten.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 07.05.13, 14:55 
Offline
Interessierter

Registriert: 29.04.13, 15:30
Beiträge: 10
hjt hat geschrieben:
Gesunde Menschen messen morgens nüchtern deutlich unter 90...


Das fällt mir schwer zu glauben, denn das würde bedeuten, daß mein Blutzucker bereits mit 18 Jahren nicht mehr voll gesund gewesen wäre. Das sind alle meine Nüchternblutzuckerwerte aus internistischen Blutuntersuchungen (mit Parameter und Normbereich):

18 Jahre: 90 GLUS
21 Jahre: 82 70-110 mg/dl Glucose i.S.
24 Jahre: 83 76-110 mg/dl Blutzucker
25 Jahre: 89 76-110 mg/dl Blutzucker
28 Jahre: 86 76-110 mg/dl Blutzucker
34 Jahre: 79 70-110 mg/dl Glucose (Hexokinase)
34 Jahre: 5,4 4,2-6,0 % HbA1c
37 Jahre: 92 74-110 mg/dl Blutzucker


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 07.05.13, 16:26 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 01.03.07, 18:35
Beiträge: 603
So verwunderlich finde ich Deine Liste gar nicht. Denn die ist ja kein Gesund- sondern ein Nichtkrank-Nachweis. Und krank=Diabetes bedeutet in den letzten 20 Jahren einen Nüchtern-BZ vom mehr als 125mg/dl. Der Prädiabetes wird erst in den letzten 10 Jahren ernster genommen und erst in den letzten etwa 5 auch manchmal mit mehr als der Empfehlung zum Abnehmen und zu Sport honoriert.
Vermehrt wird der Prädiabetes in den letzten Jahren statt über 110 ab über 100 gesehen, vereinzelt auch schon ab über 90. Bei den Mädels gilt recht einheitlich 90 als Obergrenze von gesund während der Schwangerschaft.

Wenn 70mg/dl die normale Untergrenze wäre, wie in Deiner Liste dargestellt, wäre der in Deiner Liste als normale Untergrenze genannte HBA1c von 4,2 absolut unmöglich.
Meine persönliche Wohlfühl-Untergrenze liegt bei um 60mg/dl, aber ich kenne auch Leute, die sich zwischen 50 und 60 völlig munter fühlen und selbst nach nem Eimer Cola in der Spitze kaum über 100 kommen.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 07.05.13, 17:27 
Offline
Interessierter

Registriert: 29.04.13, 15:30
Beiträge: 10
Zitat:
Vermehrt wird der Prädiabetes in den letzten Jahren statt über 110 ab über 100 gesehen, vereinzelt auch schon ab über 90.


Ich habe darüber auch etwas gelesen. Wenn sich allerdings Prädiabetes tatsächlich schon bei 90 mg/dl ankündigen würde, so nimmt es Wunder, daß sich bei mir die BZ-Werte über 20 (!) Jahre hinweg nicht weiter verschlechtert haben. Wäre >90 mg/dl tatsächlich im Grenzbereich, hätte man von einer schleichenden Verschlechterung des BZ über die Jahre ausgehen müssen. Das sagt ja gerade das Konzept der Prädiabetes aus. Das ist aber zumindest bis zu meiner letzten Blutuntersuchung 2012 nicht der Fall gewesen.

Ergo ist, zumindest an meinem individuellen Fall gemessen, ein NBZ von 90 mg/dl entweder noch normal oder das verschärfte Prädiabetes-Konzept ist so weit gefaßt, daß es auch Kerngesunde in seine Kategorie miteinbezieht, also diagnostisch von zweifelhaftem Nutzen ist.

Zitat:
Wenn 70mg/dl die normale Untergrenze wäre, wie in Deiner Liste dargestellt, wäre der in Deiner Liste als normale Untergrenze genannte HBA1c von 4,2 absolut unmöglich.


Ich war insgesamt bei drei verschiedenen Praxen in D und A über die Jahre, die jeweils ein anderes Labor beschickt haben. Gleichwohl liegen bei allen, wie man erkennen kann, die unteren Normbereiche im eng gefaßten Bereich 70-76 mg/dl und bei keinem im 60er Bereich. Daran hat sich seit zwanzig Jahren, also seit meiner ersten BZ-Untersuchung 1993 nichts geändert.

Wie die beiden Normbereiche für BZ und HbA1c bei meiner Blutuntersuchung mit 34 Jahren miteinander sinnvoll zusammenhängen sollen, kann ich allerdings nicht sagen. Denn ein HbA1c-Unterwert von 4,2 entspricht ja nur 54 mg/dl. Auch meine individuellen Werte passen nicht recht zusammen - 79 mg/dl deuten eigentlich auf einen geringeren HbA1c-Wert von 5,0 hin -, aber das könnte man wenigstens noch mit der normalen Tagesschwankung des NBZ erklären, der an dem Tag halt recht niedrig gelegen haben muß.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 07.05.13, 18:17 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 01.03.07, 18:35
Beiträge: 603
Prädiabetes will sagen, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, innerhalb der nächsten z.B. 5 Jahre auf Diagnose Diabetes vorrücken zu dürfen. Je höher die Werte in diesem Prädiabetes-Bereich, desto höher die Wahrscheinlichkeit, (eher) vorrücken zu dürfen.

Der HBA1c-Wert markiert den Durchschnitt der Teile vom alltäglichen Blutzucker-Verlauf, der jeweils länger als etwa 3 Stunden angehalten hat. Kurzzeitigere Spitzen nach oben und nach unten werden dabei überhaupt nicht berücksichtigt.

Edit:
Beispiel: Produziere mir seit gut 10 Jahren einen HBA1c von 5,5 und besser. Meistens mit nicht mehr als 140 in der Spitze nach dem Essen und spätestens 3 Stunden danach wieder deutlich unter 100. Wenn ich in der Spitze immer 240 nach dem Essen hätte und mit dem 3-Stunden-Wert wieder genau so deutlich unter 100 wäre, würde der Dok mir weiterhin meinen gesunden HBA1c-Wert attestieren.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 10 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
Karma functions powered by Karma MOD © 2007, 2009 m157y
© Deutsches Medizin Forum 1995-2017. Ein Dienst der Medizin Forum AG, Hochwaldstraße 18 , D-61231 Bad Nauheim ,HRB 2159, Amtsgericht Friedberg/Hessen, Tel. 03212 1129675, Fax. 03212 1129675, Mail jaeckel@medizin-forum.de. Plazieren Sie Ihre Werbung wirkungsvoll! Hier finden Sie unsere Mediadaten!