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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Folgen jahrenlangen Diabetes
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 Betreff des Beitrags: Folgen jahrenlangen Diabetes
BeitragVerfasst: 13.11.10, 17:41 
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Interessierter

Registriert: 13.11.10, 17:25
Beiträge: 10
Ich schreibe in diesem Forum, weil es die Folgen von Diabetes betrifft und hoffe durch meinen langen Bericht, nicht zu sehr zu verwirren. Danke im Voraus.

Ich möchte hier die Geschichte meines Vaters(79) erzählen und habe einige Fragen dazu.

Seit 26 Jahren ist er Diabetiker, seit einigen Jahren spritzt er Insulin. Dazu ist er seit gut 2 Jahren Marcumar Patient, wegen Vorhofflimmern, außerdem hat er eine Schilddrüsenüberfunktion und nun auch noch Nierenversagen. Alles fing im März dieses Jahres mit einer starken Bronchitis an, es kam zum plötzlichen Zusammenbruch mit viel zu hohen Zuckerwerten, also ins Krankenhaus. Dort wurde verdacht auf Lungenentzündung festgestellt und auch eine Niereninsuffiziens, dann auch noch eine Allergie gegen das Antibiotikum. Damit fing sein Leidensweg an. Er kam nach Hause, aber nicht mehr richtig zu Kräften, also nach einigen Tagen wieder zurück ins KH. Dort wurde er wieder soweit hergestellt, dass er entlassen werden konnte. Kurz darauf stürzte er zu Hause, brach sich den Oberarm und musste sich auch noch einer OP (die erste in seinem Leben) unterziehen. Nach seiner Entlassung waren wir nur noch bei Ärzten, Nierenwerte schlecht, Quickwert schlecht einstellbar, Eisenwert sank immer weiter, trotz Vitamin B12 und Eiseneinnahme seit mehreren Jahren und er bekam immer schlechter Luft und verlor seine Körperkräfte. Also musste er wieder ins KH, (Ende Oktober), dort wurde er auf innere Blutungen untersucht, es wurde aber nichts Nennenswertes gefunden. Dabei nahm seine Atemnot immer mehr zu, es wurde Verdacht auf Lungenfibrose gestellt und er wurde mit einer Überweisung zu einem Lungenfacharzt entlassen. Meiner Meinung nach, war das schon das Beginnen seines Nierenversagens.

Aber Weiter:

Zu Hause ging es ihm immer schlechter, Wassereinlagerungen am ganzen Körper und immer diese Atemnot, so dass ihn der Hausarzt wieder ins KH einwies. Die Wasseransammlungen in seinem Körper wurden immer schlimmer, es wurde immer schwächer. Am Montag dieser Woche hatte er dann eine Krise, so das man ihn Druckbeatmete und in die Klinik mit Lungenfacharzt brachte. Dort sofort auf Intensiv und seit der Nacht wird er beatmet und liegt nun auch im künstlichen Koma. Die Nieren haben total versagt, so das er wieder in eine andere Klinik musste an die Dialyse. Dazu kamen total schlechte Blutwerte und eine Blutvergiftung. Wir rechneten mit dem Schlimmsten. Nun sagt uns die Ärztin, dass sich sein Körper langsam erholt und die Narkose runtergefahren werden soll. Aber wie soll es weiter gehen? Wir sind alle so ratlos, die Dialyse bleibt, das ist uns klar, aber mein Vater hat so viele Erkrankungen. Wird er denn nach der Langzeit-Narkose wieder einiger Maßen zurechtkommen oder wird er zum Pflegefall. Ich möchte nicht, dass er leiden muss. Er war immer so tapfer und kräftig. Wie sehen Prognosen aus, kann mir jemand etwas dazu sagen. Ich wäre wirklich dankbar.

LG Kati


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BeitragVerfasst: 14.11.10, 13:56 
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Registriert: 01.03.07, 18:35
Beiträge: 603
Moin Kati,

was Dein Vater als Kind und Jugendlicher erlebt hat, reichte wahrscheinlich schon zum guten Ausfüllen eines normalen langen Lebens. Und so eines hat er da noch zu einer Zeit dran gehängt, als schon eine große Leistung war, wenn die Familie jeden Tag satt zu essen und wenigstens einen geheizten Raum hatte. Verglichen damit sind unsere Nachkriegs-Wohlstandsleben geradezu paradisisch verlaufen - dank der Generation unserer Eltern. Die hat tatsächllich gewaltiges geleistet - und das meiste davon unter dem scheinbar allgemein vorherrschenden Zwang zu neuer-größer-schöner längst vergessen.

Es wird ihm guttun, wenn Du mit ihm zusammen in Euren alten Filmen kramst, in denen, die Ihr seht, wenn Ihr die Augen zu macht, Momentaufnahmen, Bildsequenzen, ganze Szenen, an die Du dich gern erinnerst und die ihm sagen, dass Du's noch weißt und dass er da was richtig gemacht hat :-)
Es reicht bestimmt, wenn Du davon erzählst, wenn Du egal wo bei ihm sein kannst, auch wenn er schon müde ist und wegdöst. "Erzähl doch weiter, Du erzählt so schön," war die Standardrückmeldung, wenn ich zu reden aufhören wollte, weil ich dachte, dass meine Mutter schlief.

Mir ist bewusst, dass Du danach nicht gefragt hast. Aber wenn das Lebenerhalten zu einer immer größeren und fremderen (im kranken Haus zuhause sein) Quälerei wird, muss nach meiner Überzeugung das Lindern der Beschwerden in dem Rahmen in den Vordergrund treten, in dem der Betroffene sich am wohlsten fühlt.

Daumendrück, Jürgen


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BeitragVerfasst: 16.11.10, 14:45 
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Registriert: 11.08.06, 11:16
Beiträge: 964
Wohnort: Rhld.-Pfalz
Hallo Kati,

ein bemerkenswerter Bericht.
Dem Gedanken, dass es sich bei den schweren Erkrankungen überwiegend um die Folgen des langjährigen Diabetes handelt, kann ich nur zustimmen.
In dieser Situation kann die Diabetesbehandlung auch nur noch aus der Verhinderung akuter diabetischer Entgleisungen bestehen.

Eine lebensverlängernde Therapie könnte die Transplantation der Nieren und des Pankreas sein. Ob in diesem Fall medizinisch möglich und sinnvoll, vermag ich jedoch nicht zu beurteilen.

_________________
Mit freundlichen Grüßen
Hans Reuter


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BeitragVerfasst: 16.11.10, 15:56 
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Interessierter

Registriert: 13.11.10, 17:25
Beiträge: 10
Danke für eure Antworten, der Zustand meines Vaters hat sich nicht verbessert, die Dialyse läuft dauerhaft, die Narkose wird aufrecht erhalten, dazu kommt jetzt auch noch ein Dekubitus, was mich schon sehr bedenklich stimmt, nach gerade Mal einer Woche liegen. Aber man hat ihn auch erst jetzt auf die Seite gedreht. Man kann oder will uns keine Prognose geben, für uns als Angehörige ist das sehr schlimm, aber wir sind uns einig,dass er sein Leben gelebt hat und auch gehen darf, so haben wir es ihm auch gesagt. Die Ärztin hat meiner Mutter versprochen, sollte das Herz aufhören zu schlagen, wird er nicht wieder belebt. Leider hat er keine Patientenvefügung, er hat das immer vor sich hergeschoben und nun ging alles so schnell, ich ärgere mich, dass ich da nicht hinterher war. Jammern hilft da nun auch nicht mehr. Wir halten als Familie zusammen und werden die schwere Zeit auch überstehen.

@ Hans Reuter

Mein Vater, war sich bewusst, dass die Nierenerkrankung durch den Diabetes kam, er hat immer geschimpft auf die Krankheit, aber er hatte seine Werte immer gut im Griff und hatte auch nie mit offenen Beinen oder so zu tun, dafür eben nun die kaputten Nieren. Die Krankheit ist eben doch auch als sehr komplex anzusehen. Für eine Transplantation kommt er nicht in Frage, dafür sind Herz und Lunge auch zu geschädigt.


LG Kati


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BeitragVerfasst: 19.11.10, 21:46 
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Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4393
Wohnort: Hildesheim
Guten Abend,

Zitat:
Leider hat er keine Patientenvefügung,

...die ist auch nicht zwingend erforderlich.
Wenn Angehörige und Ärzte gemeinsam über die bisherigen Lebensumstände und die Einstellung des Patienten sprechen, kann man Therapieentscheidungen auch auf diesem Wege festlegen.

Ein erster (aus meiner Sicht guter) Schritt ist ja mit dem Verzicht auf Wiederbelebung schon getan.
Insgesamt erscheint die Prognose sehr ungünstig und im weiteren Verlauf sollte man ggfs. über weitere Einschränkungen der Therapie sprechen, um das Leiden nicht unnötig zu verlängern. Dafür müssen sich die Ärzte vor Ort Zeit nehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


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