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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Schlimme Erfahrungen durch Wachintubation
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BeitragVerfasst: 20.10.16, 16:36 
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Beiträge: 4
Hallo,

aufgrund einer HWS-Versteifung muß ich seit einigen Jahren fiberoptisch wachintubiert werden. Irgendwann einmal gab es Probleme bei einer normalen Intubation, seitdem habe ich einen Ausweis mit der Empfehlung einer fiberoptischen Wachintubation. Durch diverse Eingriffe in den letzten Jahren wurde ich insgesamt 4x wachintubiert. Das erste Mal, ich war völlig ahnungslos, war ziemlich schlimm, der Arzt später meinte, sie würden so was auch nicht so oft machen. Danach bin ich nicht mehr in dieses KH gegangen sondern in ein anderes, dort habe ich auch von meinen Erfahrungen erzählt und sie haben mir für den damals anstehenden Eingriff ein sehr liebes Anästhesie-Team gegeben. Allerdings dauerte es bei aller Vorsicht 20min, ehe der Tubus drin war, selbst unter Sicht ist es wohl etwas komplizierter bei mir und den Atemwegen. Ich war nach den 20min völlig erschöpft und fertig, 20min können zur Ewigkeit werden. Später mußte ich noch mal operiert werden, dort ging es etwas derber zu mit der Intubation, dafür aber auch schneller, es war ein anderes Team. Und dann musste ich zur Magenspiegelung, man hat mir, weil Propofol für mich zu riskant ist, ein Stand by der Anästhesie vorgeschlagen, aber der Anästhesist weigerte sich, mich unter der der Wirkung von Propofol zu überwachen, ich wurde gewissermaßen zu einer Vollnarkose überredet, leider habe ich mich darauf eingelassen. Was dann passiert ist, möchte ich hier nicht beschreiben weil ich keinem Angst machen will, aber es ging so einiges schief, das zog sich irgendwie durch wie ein roter Faden. Fazit: Ich habe dort sehr gelitten und mir ein Trauma eingefangen. Ich habe mir damals ein Gedächtnisprotokoll angefertigt und danach so viel wie möglich von diesem Ereignis aus meinem Kopf verdrängt, weil ich damit einfach nicht klar kam. Die Anästhesistin hat sich zwar mehrfach entschuldigt und Fehler eingeräumt, sie meinte, wenn ich mich jemals wieder trauen würde in ihre Klinik zu kommen, würde einiges anders und besser gemacht, aber ich habe damals jegliches Vertrauen verloren, Details möchte ich hier nicht schreiben. Iich habe seitdem grauenhafte Angst davor, mal wieder auf den OP-Tisch zu müssen mit einer Vollnarkose und damit einer vorgeschalteten Wachintubation.

Nun merke ich, dass meine Schulter, die seit Jahren herumzickt und lt. Orthopäden operiert gehört (Muskel-/Sehenabriss und eine Gelenkspaltgeschichte). Ich habe aber seit dem damaligen Erlebnis massive Angst vor einer Vollnarkose/Wachintubation.

Ich würde mich freuen, wenn sich jemand vom Fach hier melden würde. Vielen Dank.
Sonnentanz


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BeitragVerfasst: 21.10.16, 17:54 
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DMF-Moderator

Registriert: 20.05.07, 08:00
Beiträge: 2261
Hallo,

je nach dem, was für eine Schulter-OP durchgeführt wird, kommen bestimmte Lagerungsverfahren zum Einsatz. Diese sind nicht unbedingt im Wachzustand durchführbar.
Stellen Sie sich am besten in einer Klinik vor, die viel Schulter-Chirurgie macht, die aber auch eine große / erfahrene Anästhesie-Abteilung hat (z. B. eine Uniklinik). Dann kann man genau eruieren, was sinnvoll / nötig ist und wie man im Rahmen der Anästhesie am besten bei Ihnen vorgeht. Eine Vorstellung / Beratung / Aufklärungsgespräche samt Unterschrift auf den entsprechenden Bögen heißt ja nicht, dass Sie die OP dann tatsächlich durchführen lassen müssen - eine kurzfristige (auch unbegründete) Absage ist jederzeit möglich, ebenso eine Zweit-/Drittmeinung in anderen Kliniken.

Gruß
Die Anästhesieschwester


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BeitragVerfasst: 21.10.16, 20:31 
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DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4393
Wohnort: Hildesheim
Guten Abend,

wenn Sie sich erneut mit dem Thema "Narkose" befassen, fragen Sie gezielt nach alternativen Möglichkeiten der Atemwegssicherung:

:arrow: Larynxmaske (das geht durchaus auch bei Schulter-OP´s in sitzender Position!)

:arrow: Videolaryngoskop. Dieses Gerät verwendet man am narkotisierten Patienten und es wird in den letzten 2-3 Jahren zunehmend in vielen Kliniken verwendet. Damit läßt sich so manche "Wachintubation" ersparen.

Im Zweifel können Sie immer noch vereinbaren, das man Sie wieder wach werden läßt, wenn es mit einem Videolaryngoskop nicht gehen sollte. Vorausgesetzt man weiß, wie gut man Sie mit einer Maske ohne Tubus beatmen kann.

Sie brauchen dazu vor allem einen Narkosearzt, der Sie gut versteht.
Wenn Sie also in einer Klinik vorsprechen äußern Sie Ihr Problem frühzeitig und bitten darum, mit einem erfahrenen Facharzt für Anästhesie zu sprechen.

Ich bin sicher, es wird sich eine Lösung finden, die Ihre - berechtigten! - Ängste berücksichtigt.

Mit freundlichen Grüßen

A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


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BeitragVerfasst: 27.10.16, 11:41 
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Registriert: 04.02.16, 19:10
Beiträge: 4
Hallo,

vielen Dank für die Antworten.

In meinem Anästhesieausweis steht, dass Maskenbeatmung nur bedingt/schlecht möglich ist.

Vom Videolaryngoskop habe ich schon gehört, wenn es allerdings erst am narkotisierten Patienten angewendet wird, besteht dann nicht, wie bei konventioneller Vollnarkose,
die Gefahr, dass man plötzlich doch nicht oder nicht schnell genug intubieren kann?

Generell würde es mir helfen, wenn ich im Rahmen einer geplanten OP mit notwendiger Vollnarkose einfach vorher mit einem Anästhesisten sprechen könnte, der mit mir
die Möglichkeiten/den Ablauf einer Vollnarkose besprechen würde und der diese dann auch durchführt. Nach meinen wirklich heftigen Erfahrungen möchte ich mich nicht
mehr von einem Arzt/einer Ärztin intubieren lassen, mit der ich außerhalb des Einleitungsraums noch nicht mal ein Wort gewechselt habe.

Bislang war es immer so, dass man von irgendeinem jungen Assistenzarzt der Anästhesie aufgeklärt wurde, der aber im Endeffekt mit der Prozedur nicht das Geringste zu tun hat.
Den zugeteilten Anästhesisten bekommt man dann erst zu Gesicht, wenn man im Vorbereitungsraum liegt.

Das letzte Aufklärungsgespräch lief derart ab, dass man mich praktisch zu einer Vollnarkose überredet hat und versprochen hat, falls es bei der Wachintubation Probleme geben würde,
man jederzeit aufhören könne. Nur deshalb habe ich eingewilligt. Im Endeffekt jedoch, als die ganzen Probleme auftraten und ich zweimal laut und deutlich gesagt hatte (als ich mal keine Gerätschaften
im Hals stecken hatte und zwischendurch mal wieder etwas Luft bekam), dass ich möchte, dass man aufhöre, wurde mir gesagt, das geht jetzt nicht mehr, Sie haben zu viele Medikamente intus.
Zum einen habe ich mich gewissermaßen vergewaltigt gefühlt, zum anderen habe ich mich gefragt, warum ich mir jedes Mal eine Wachintubation (als sichere Methode bei schwierigen Atemwegen) antun muß,
nur um dann gesagt zu bekommen, tut uns leid, wir müssen das jetzt durchziehen.

Kann man in einem Krankenhaus als gesetzlich versicherter Patient darauf bestehen, dass a) nur ein Oberarzt der Anästhesie diese durchführt und b) dass man mit diesem Arzt, der
die Anästhesie dann durchführen wird,
auch vorher sprechen kann, idealerweise im Aufklärungsgespräch?

Mir ist klar, dass auch andere Ärzte, die (noch) nicht so die Erfahrungen haben, die entsprechenden Techniken der Wachintubation erlernen müssen, nur ist es eben so, dass ich inzwischen wirklich
traumatisiert bin, vor allem durch diese letzte Aktion.

Viele Grüße
Sonnentanz


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BeitragVerfasst: 30.10.16, 17:13 
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DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4393
Wohnort: Hildesheim
Guten Abend,

Zitat:
Kann man in einem Krankenhaus als gesetzlich versicherter Patient darauf bestehen, dass a) nur ein Oberarzt der Anästhesie diese durchführt und b) dass man mit diesem Arzt, der
die Anästhesie dann durchführen wird, auch vorher sprechen kann, idealerweise im Aufklärungsgespräch?


Selbstverständlich können Sie darauf bestehen. Das ist Ihr gutes Recht.
Sie allein bestimmen die Umstände Ihrer Behandlung - gerade in diesem besonderen Fall!

Eine gut organisierte Abteilung sollte damit kein Problem haben.

Nebenbei: Dazu gibt´s sogar ein BGH-Urteil. Bei besonders komplexen medizinischen Prozeduren muss sichergestellt sein, das der aufklärende Arzt mit dieser Technik vertraut ist. Sonst ist die Aufklärung unwirksam (und führt im Schadenfall ggfs. zur sog. "Beweislastumkehr").

Wir haben in unserer Klinik z.B. eine Anästhesieambulanz. Dort ist immer auch ein Facharzt, oft sogar ein Oberarzt anwesend.
Kritische Fälle werden diesem Kollegen vorgestellt und dann wird gemeinsam mit dem Patienten das weitere Vorgehen festgelegt.

Wenn die Klinik das nicht leisten kann oder will würde ich Ihnen empfehlen, sich einen anderen Behandler zu suchen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
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