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medizin-forum.de • Thema anzeigen - PDA Nebenwirkungen ähnlich hoch wie bei einer Lumbalpunktion
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BeitragVerfasst: 04.01.16, 23:04 
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Hallo,
ist das Risiko bei einer PDA Nebenwirkungen, wie starke Kopfschmerzen, zu erleiden genauso hoch wie bei einer Lumbalpunktion?
Und ist das Risiko diese zu bekommen, wenn es bereits bei einer Lumbalpunktion dazu kam, höher als sonst?

Da ich in wenigen Tagen entbinden werde und vor ca. drei Jahren mal eine LP mit anschließend einer Woche starken Kopfschmerzen buchstäblich flach lag (ich konnte tatsächlich nicht länger als eine halbe Stunde sitzen oder stehen ohne dass ich das Gefühl hatte, mein Kopf würde zerspringen), frage ich mich ob ich unter diesen Umständen, im Falle das ich eine PDA benötige, überhaupt eine haben möchte.

Das Geburtsgespräch habe ich mit der Hebamme geführt. Diese meinte auch nur, dass sie danach auch starke Kopfschmerzen hatte, aber bezüglich der anderen Fragen konnte sie mir keine Auskunft geben.

Jule

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BeitragVerfasst: 06.01.16, 17:40 
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Guten Abend,

gut organisierte Kliniken bieten Schwangeren ein Aufklärungsgespräch deutlich vor dem Entbindungstermin an, damit solche Fragen direkt mit dem Anästhesisten besprochen werden können.
Wenn einen die Wehen quälen, ist man nicht mehr wirklich aufnahmefähig für "Risiken der PDA"...

Die Kopfschmerzen kommen vom Liquorverlust. Liquor (Rückenmarksflüssigkeit) geht über ein Loch in der harten Rückenmarkshaut (Dura) verloren und der darauf resultierende "Unterdruck" führt zu sehr starken Kopfschmerzen, die oft tagelang anhalten können.

Bei der Lumbalpunktion passiert genau das und die Nebenwirkung ist quasi zu erwarten.

Bei der PDA soll die Dura unverletzt bleiben. Dies geschieht durch ein spezielle Punktionstechnik.
Da der "Periduralraum", also der Raum vor der harten Rückenmarkshaut, sehr klein ist (wenige Millimeter), kann es allerdings sein, das man die Dura dennoch verletzt.
Dann treten die o.g. Probleme auf, weil es quasi einer Lumbalpunktion gleichkommt.

Das Risiko beläuft sich je nach Klinik zwischen 1% und 6%.
Also: Von 100 PDA´s erleiden 1 bis 6 Menschen eine Duraperforation.
Diese Zahlen entsprechen auch meiner persönlichen Wahrnehmung.

Dr. A. Flaccus

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Dr. A. Flaccus
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BeitragVerfasst: 06.01.16, 22:34 
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Hallo und vielen Dank für die Beantwortung meiner Frage.

Damals bei der Lumbalpunktion wurde mir auch nur ein ein Nebenwirkungsrisiko von 4% genannt, daher hatte ich damals eher nicht damit gerechnet diese zu bekommen. Aber wenn dies quasi überwiegend der Fall ist, ist es kein Wunder.
Der Hebamme habe ich gesagt, dass ich nur im äußersten Notfall eine PDA haben möchte, eben wegen der Kopfschmerzen und auch weil bei meiner Schwester damals vier Versuche nötig war bis es geklappt hat.
Die entsprechenden Unterlagen habe ich zwar schon unterschrieben aber eben nur für den Fall der Fälle.

Jule

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BeitragVerfasst: 11.01.16, 16:16 
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Zitat:
Die entsprechenden Unterlagen habe ich zwar schon unterschrieben aber eben nur für den Fall der Fälle.

Da Sie offenbar nicht mit einem Arzt der durchführenden Klinik (Anästhesie) gesprochen haben, ist Ihre Unterschrift wertlos.

Zitat:
Damals bei der Lumbalpunktion wurde mir auch nur ein ein Nebenwirkungsrisiko von 4% genannt, daher hatte ich damals eher nicht damit gerechnet diese zu bekommen. Aber wenn dies quasi überwiegend der Fall ist, ist es kein Wunder.


Naja, da wurde vielleicht eine andere Studie heran gezogen... :(
Zitat:
Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von PDPH war nach Bettruhe nicht statistisch signifikant geringer als bei Mobilisierung: 26,4% bei Bettruhe vs. 20,5% bei Mobilisierung (Relatives Risiko [RR] 1,30; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,09-1,55). Sehr starke Kopfschmerzen erlitten 10,6% vs. 10,7% (RR 1,0; 95%-KI 0,75–1,32) der Patienten; 33,6% vs. 28,6% litten an irgendeiner Art von Kopfschmerz.

Quelle: https://www.thieme.de/de/neurologie/ver ... -52929.htm

Übersetzt heißt das: Jede/r Dritte bekommt nach einer Lumbalpunktion Kopfschmerzen.

Und für die PDA gilt eben: Rund jede 20. Frau erleidet die Komplikation einer Duraverletzung im Rahmen der PDA. Ob daraus dann immer Kopfschmerzen entstehen, ist eine andere Frage, aber ohne Zweifel ist das Risiko dafür sehr hoch.

Dennoch macht es Sinn, sich Nutzen und Risiko der geburtshilflichen PDA auseinanderzusetzen. Bei schwierigen und/oder langen Geburtsverläufen kann die PDA sehr hilfreich sein, nicht selten werden Kaiserschnitte vermieden.
Man hat Zeit, noch einmal Luft zu holen und seine Kräfte für die entscheidende Geburtsphase zu sammeln.
Ob dieser Vorteil die drohenden Risiken aufwiegt, muß allerdings jede Frau für sich selbst entscheiden.

Dr. A. Flaccus

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BeitragVerfasst: 27.01.16, 21:28 
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Kurze Rückmeldung:

Eine Spontangeburt war leider nicht möglich. Nach drei Tagen Einleitung ohne Erfolg wurde ein Kaiserschnitt mit Spinalanästhesie gemacht. Natürlich wurde vorher nochmal ein Anästhesiegespräch geführt. Alles verlief ohne Nebenwirkungen :) und dem Kind geht es auch gut. Schon 6 Stunden später bin ich (mehr oder weniger) auf den Beinen gewesen. Da die Nabelschnur komplett um den Körper gewickelt war, war es kein Wunder, dass es nicht nach unten rutschen konnte um so auf natürlichem Weg zur Welt zu kommen.

Jule

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BeitragVerfasst: 27.01.16, 22:49 
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Gratuliere :D

Ich wünsche Ihnen alles Gute!

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Dr. A. Flaccus
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BeitragVerfasst: 28.01.16, 06:32 
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Vielen Lieben Dank.

Eine Frage hätte ich allerdings noch.
Wie kommt es, dass der Bereich oberhalb der Narbe, da wo mein Bauchspeck ist :oops: , sich noch so taub bzw. dumpf anfühlt?
Meine Hebamme meinte es wäre normal. Nur, woher kommt das?

Jule

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BeitragVerfasst: 28.01.16, 11:30 
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Hallo,

auch von mir herzlichen Glückwunsch!
Das Taubheitsgefühl kommt daher, dass durch den Schnitt Hautnerven durchtrennt wurden. Ist also tatsächlich ganz normal. Es wird einige Zeit dauern, bis das Gefühl zurückkommt. Ggf. bleibt ein kleiner Bereich weniger sensibel.

Gruß
Die Anästhesieschwester


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BeitragVerfasst: 28.01.16, 17:25 
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Ah okay, vielen lieben Dank :)


Jule

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