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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Landarztquote
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 Betreff des Beitrags: Re: Landarztquote
BeitragVerfasst: 17.08.17, 16:05 
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Timmie2 hat geschrieben:
Ich kann Deine Euphorie zum Wettbewerb auch nicht nachvollziehen. Wenn es keine Preisbindung mehr gibt, wie wird abgerechnet bzw. was bezahlt dann Kasse bzw. Versicherung oder jeder nur aus eigener Tasche?


Ich dachte eigentlich, das hätte ich nun unmissverständlich erklärt!
Es werden Kassengrundleistungen wie bisher abgerechnet, allerdings bei einerseits deutlich besseren Punktwerten und andererseits bei neuer Definition des "A" bei "WANZ". Statt "ausreichend" muss hier "angemessen" gelten.
Zitat:
Wettbewerb würde nur bei Privatleistungen wirksam, nicht bei der Grundversorgung.

Ein Wettbewerb entsteht aber nur, wenn es genug Anbieter für eine Dienstleistung oder Ware gibt. Die Nachfrage ist ohnehin in großer Zahl vorhanden. Wo Nachfrage, Angebot und Handel existieren, existiert ein "Markt", auch wenn es unethisch klingt, ist es eben ein Markt. Viele niedergelassene Ärzte haben längst aus dem Gesundheitswesen einen Markt gemacht, indem sie Leistungen verknappen, um die Preise hochzutreiben.
Wem es so gut geht, dass er sich nur noch um Privatzahler kümmern braucht und auf Kassenpatienten pfeifen kann, würde sich einem Kampf um die zahlende Kundschaft aussetzen müssen.
Timmie2 hat geschrieben:
Barnie Geröllheimer hat geschrieben:
Warum soll z.B. ein naturheilkundiger Arzt auf Wunsch des Patienten nicht Naturheilkunde als IGeL anbieten können?
Wie verträgt sich das mit Deiner Aussage
Zitat:
Jede ZUSATZversicherung verspricht den Leistungserbringer ZUSATZumsätze und führt somit zu Fehlallokationen zum Nachteil derer, die sich solche Zusatzversicherungen nicht leisten können. Das kann m.E. keine linke Position sein und es ist auch nicht gerecht

Jeder Zusatzverdienst bietet finanzielle Anreize und bringt den Arzt in einen Interessenskonflikt.

Der Arzt weiß doch von einer evtl. Zusatzversicherung oder der Bereitschaft, Leistungen privat zu bezahlen gar nichts. Wer wegen eines Termins anruft, ist mal grundsätzlich Mitglied einer GKV oder -noch besser- einer Bürgerversicherung o.ä.

Mehr muss der Arzt nicht wissen und wird deshalb auch nicht fragen. Stellt sich dann bei WAngemessenNZ heraus, dass ich eine Darmspiegelung brauche, kann ich immer noch darüber entscheiden, ob ich lieber teures Edelgas oder schnöde Luft pupsen will und unterschreibe ggf. einen Kaufvertrag.

Zu Fehlallokationen kommt es dann, wenn von vornherein bekannt ist, dass jemand privat versichert ist und diese PKV erweiterte GOÄ-Sätze erstattet. Weiß der Optiker oder Arzt das nicht, gibt es auch keine Bevorzugungen und Benachteiligungen.


Timmie2 hat geschrieben:
Mittlerweile werden bereits Praxismitarbeiter/innen durch Bonussysteme motiviert. Das trägt nicht unbedingt dazu bei, die Gesundheit des Patienten in den Vordergrund zu stellen.

Meine Rede! Aber Du hast Zusatzversicherungen verteidigt, nicht ich. Sofern in der Praxis von Zusatzversicherungen nichts bekannt wird, sind sie allerdings auch nicht "schädlich". Der Patient/Kunde zahlt seine Liquidation und bekommt irgendeinen versicherten Betrag von einer Zusatzversicherung erstattet, von der der Arzt nichts weiß und deshalb auch nicht darauf spekulieren kann.

Timmie2 hat geschrieben:
Zu den naturheilkundlichen Behandlungen im engeren Sinne zählen auch Massagen, Reizstromtherapie oder Akkupunktur, die in Bezug auf einige Erkrankungen im Leistungskatalog der GKV enthalten sind. Für mich zählt das zu einer hochwertigen Versorgung dazu.


Ja klar, dann sind sie aber überhaupt kein Gegenstand des "Marktes", sondern der Grundversorgung, die von der Bürgerversicherung getragen wird.

Timmie2 hat geschrieben:
Barnie Geröllheimer hat geschrieben:
Sie glauben gar nicht, wie kompromissbereit plötzlich Patienten oder Kunden sind, wenn es was "kostenlos" gibt. Die 10 Cent-Einkaufstüte bei Edeka kauft kaum einer, schleppt lieber alles unter den Achseln, aber wenn sie umsonst ist, dann nimmt man am besten gleich 3

Ich weiß nicht mit welchen Leuten Du Dich umgibst, aber die meisten in meinem Umfeld sind froh, wenn sie keinen Arzt brauchen. Untersuchungen und Behandlungsmarathone sind doch kein Vernügen wie das oft dargestellt wird.


Ich umgebe mich zwangsläufig mit Leuten, die schon einen Arzt gebraucht haben, teilweise deshalb, weil sie das Gesetz dazu zwingt.
Im Übrigen ist doch nicht die Frage, ob man sich "freiwillig" oder vorschnell in ein Wartezimmer setzt, sondern wie der Patient/Kunde wohl reagieren würde, wenn er die Wahl zwischen zwei benachbarten, gynäkologischen Arztpraxen hat, wo in der einen PR seine empathische, fachkundige Arbeit verrichtet, aber nicht für Kassensätze arbeitet und in der anderen ein neuer junger Frauenarzt ohne Aufpreise werkelt.

Wo würdest Du hingehen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Mehr ... nicht ... zu sagen
BeitragVerfasst: 17.08.17, 17:09 
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Dann ist ja gut

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 Betreff des Beitrags: Re: Landarztquote
BeitragVerfasst: 17.08.17, 18:52 
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Barnie Geröllheimer hat geschrieben:
Ich dachte eigentlich, das hätte ich nun unmissverständlich erklärt!
Sorry, hatte ich überlesen. Abschaffung jeder Preisvorgabe also nur für Privatzahlerleistungen

Barnie Geröllheimer hat geschrieben:
Ein Wettbewerb entsteht aber nur, wenn es genug Anbieter für eine Dienstleistung oder Ware gibt. Die Nachfrage ist ohnehin in großer Zahl vorhanden. Wo Nachfrage, Angebot und Handel existieren, existiert ein "Markt", auch wenn es unethisch klingt, ist es eben ein Markt. Viele niedergelassene Ärzte haben längst aus dem Gesundheitswesen einen Markt gemacht, indem sie Leistungen verknappen, um die Preise hochzutreiben.
Wem es so gut geht, dass er sich nur noch um Privatzahler kümmern braucht und auf Kassenpatienten pfeifen kann, würde sich einem Kampf um die zahlende Kundschaft aussetzen müssen.

Die Niederlassungsbeschränkung müsste fallen, damit überhaupt Wettbewerb zustande kommt. Soweit kann ich Dir folgen und auch zustimmen. Sobald aber Kassen- und Privatzahlerleistungen vermischt werden, wird doch dieser Wettbewerb durch die unterschiedliche Honorierung wieder verzerrt. Auch für die Abrechnung mit der PKV müssen Honorare verhandelt werden, was soll die PKV sonst erstatten? Eine Aufhebung der Niederlassungsbschränkung allein würde nichts daran ändern, dass ein Vertragsarzt Privatpatienten bzw. Privatbehandlungen/IGeL stets den Vorzug gibt und Kassenmedizin auf das Notwendigste beschränkt. Der Großteil des Honorars wird doch aber in den meisten Praxen über Kassenpatienten generiert, das gehört auch zur Wahrheit. Daher kann es auch nicht sein, dass ein Kassenpatient bei Vertragsärzten nur zweite Wahl ist.

Barnie Geröllheimer hat geschrieben:
Der Arzt weiß doch von einer evtl. Zusatzversicherung oder der Bereitschaft, Leistungen privat zu bezahlen gar nichts. Wer wegen eines Termins anruft, ist mal grundsätzlich Mitglied einer GKV oder -noch besser- einer Bürgerversicherung o.ä….. Zu Fehlallokationen kommt es dann, wenn von vornherein bekannt ist, dass jemand privat versichert ist und diese PKV erweiterte GOÄ-Sätze erstattet. Weiß der Optiker oder Arzt das nicht, gibt es auch keine Bevorzugungen und Benachteiligungen.
Das täuscht. Ohne genauere Angaben gibt’s oft erst gar keinen Termin, wie PR netterweise in seinen Kommentaren bestätigte. Selbst unter Kassenpatienten wird selektiert. Ich wurde z.B. mal bei einer Terminanfrage von der Praxis-Mitarbeiterin am Telefon intensiv befragt, worum es denn konkret ging. Nach Rücksprache mit dem Arzt wurde mir dann mitgeteilt, dass in den nächsten Monaten leider keine Termine frei sind. Eine andere Kassenpatientin mit scheinbar lukrativerer Prognose erhielt wenig später sogar relativ kurzfristig einen Termin. Man kann alles erfragen oder in den Akten vermerken.

Barnie Geröllheimer hat geschrieben:
Meine Rede! Aber Du hast Zusatzversicherungen verteidigt, nicht ich.

In dieser Konstellation sehe ich das durchaus problematisch, weil der Patient/Kunde als Privatpatient behandelt wird und damit in (finanzielle) Konkurrenz zur Kassenmedizin tritt. Dem Arzt ist doch egal ob der Patient das selbst bezahlt oder über eine Zusatzversicherung. Das würde nicht passieren, wenn dieser Arzt außerhalb des Kassengeschehens praktizieren würde.

Barnie Geröllheimer hat geschrieben:
Im Übrigen ist doch nicht die Frage, ob man sich "freiwillig" oder vorschnell in ein Wartezimmer setzt, sondern wie der Patient/Kunde wohl reagieren würde, wenn er die Wahl zwischen zwei benachbarten, gynäkologischen Arztpraxen hat, wo in der einen PR seine empathische, fachkundige Arbeit verrichtet, aber nicht für Kassensätze arbeitet und in der anderen ein neuer junger Frauenarzt ohne Aufpreise werkelt.
Wo würdest Du hingehen?

Die Frage hast Du selbst schon beantwortet
Zitat:
Übrigens..: der Kollege F***mann ist einer der besseren Filialisten, er ist gut und günstig, aber er versorgt eben nur Standardfälle zuverlässig. Jeder Spezialfall führt dort - wie erst recht bei anderen Filialisten - meistens zu einer Fehlversorgung

Ich halte überhaupt nichts von Preisdumping, denn langfristig zahlt man meistens drauf. Qualität hat seinen Preis, aber nicht immer hat der hohe Preis auch die versprochene Qualität.


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 Betreff des Beitrags: Jaja: Qualität hat seinen Preis,
BeitragVerfasst: 17.08.17, 21:40 
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und da war grad mal wieder Lieschen Müller dran, oder ?, timmie einszweidrei ?

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PS: hab mir mal eben n' screenshot gemacht, was timmie einszweidrei ?

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 Betreff des Beitrags: Re: Landarztquote
BeitragVerfasst: 17.08.17, 22:04 
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Timmie2 hat geschrieben:
Abschaffung jeder Preisvorgabe also nur für Privatzahlerleistungen
Warum denn?

Die Folge ist und bleibt, dass Kassenpatienten unter den Tisch fallen, denn niemand wird ernsthaft glauben, dass der "Kassentarif" jemals höher sein würde als ein frei vereinbarter P-Tarif. In einem solchen Freien Wettbewerb würden sich die Ärzte um die Privaten reißen und mit ihnen freie Preise ausmachen, und die Kassenpatienten mit dem Tarif würden sie als Basis nutzen, denen Privatpatienten natürlich rigoros vorgezogen würden, denn denen müsste man ja noch mehr bieten als heute.

Auf eine gewisse Art und Weise ist es schon heute so. Es gibt nicht wenige Ärzte, die auf die GOÄ pfeifen oder sie beliebig steigern. Auf einem Ehemaligentreffen sagte mir ein Mitabiturient (Zahnarzt): "Ich biete Expertise. Ich verlange meinen Preis. Wer ihn nicht zahlen will, solls halt lassen." Dass manche zum 6-fachen Satz arbeiten ist bekannt.

timmie2 hat geschrieben:
Auch für die Abrechnung mit der PKV müssen Honorare verhandelt werden, was soll die PKV sonst erstatten?
Tja, das ist das Problem eines "freien Wettbewerbs". Die PKVen würden dann ihren Versicherten gewisse Erstattungshöhen anbieten, und die Versicherten müssten drauflegen oder sich eine andere Versicherung suchen.

Zitat:
Daher kann es auch nicht sein, dass ein Kassenpatient bei Vertragsärzten nur zweite Wahl ist.
Das hängt mit dem teilweise enormen Honorarunterschied zusammen. Ich halte das für legitim, solange man Kassenpatienten im notwendigen Maß behandelt und ihnen das zukommen lässt, worauf sie ein Anrecht haben.

(Übrigens, irgendwo wurde über mich behauptet, ich würde nur 20 Stunden pro Woche Kassenpatienten machen und auch keinen Notdienst. Beides ist falsch. Ich habe nicht einmal eine P-Sprechstunde, denn ich halte nichts davon. Und den augenärztlichen Notdienst schiebe ich brav alle drei Monate für eine Woche. Anfahrtsstrecken von über 50 Kilometer sind mittlerweile häufig - dem Landarztmangel sei Dank!).

timmie2 hat geschrieben:
Ohne genauere Angaben gibt’s oft erst gar keinen Termin, wie PR netterweise in seinen Kommentaren bestätigte. Selbst unter Kassenpatienten wird selektiert.
...was im Bereich der Augenheilkunde auch sinnvoll ist. Der Patient, der verzerrt sieht oder seit zwei Wochen "nix", wird natürlich anders behandelt als der, der "mal seine Kontaktlinsen kontrollieren lassen will, die er aus dem Internet hat". Was wollen Sie denn? Dass man erst gar nicht mehr fragt, worum es geht? Machen Sie das, verteilen Sie die Termine schön gleichmäßig. Bis Ihnen der Staatsanwalt die Bude schließt. Für meine Praxis kann ich versichern, dass die Helferinnen nicht auf Lukrativität achten (dazu müssten sie auch am Telefon diagnostizieren - heiiiiß). Für andere Kollegen will ich meine Hand da nicht ins Feuer legen.

timmie2 hat geschrieben:
Ich halte überhaupt nichts von Preisdumping, denn langfristig zahlt man meistens drauf.
Das haben sich Gesetzgeber und Ärztekammern ebenso gedacht und den freien Wettbewerb eingeschränkt. Sicherlich mit gutem Grund, denn bei freiem Wettbewerb fällt zuerst einer durch den Rost: der, der nicht viel hat und trotzdem vernünftig behandelt werden will.

Zum Thema "Niederlassung freigeben". Die heutige strikte Bedarfsplanung ist noch nicht so alt, knapp 25 Jahre. Trotzdem kam es vorher nicht zu einem wirklich freien Wettbewerb. Man sollte sich nochmal daran erinnern, warum das GSG so strikt wurde: um Geld zu sparen. Wenn man wirklich Pandoras Büchse öffnen will, müsste man die Niederlassung freigeben und die Honorare deckeln. Folge wäre ein extremer Hamsterradeffekt. Dass das allerdings die Behandlungsqualität verbessern würde, glaube ich keinesfalls. Und die "Auslese der Schlechten" würde dann vielleicht nicht die treffen, die man gerne loswerden würde.

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Augenarzt? Flatrate. Für nur 18 Euro all you can (tr)eat, ein ganzes Quartal lang! DAS ist heutige Gesundheitspolitik.


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BeitragVerfasst: 17.08.17, 22:15 
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Prima beobachtet: so wer fällt längst durch den Rost der gesetzlich kranken Kassen.

Was weniger wird ist die Zahl der Kassenär$zte , die auch dann noch imstande und willens sind,
so wen auch noch aufzufangen.

Was soll's ? Es sind Polliticker, die's so gewollt und in ihre Gesetze geschrieben haben.

PR

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 Betreff des Beitrags: Re: Landarztquote
BeitragVerfasst: 18.08.17, 08:21 
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timmie2 hat geschrieben:
Auch für die Abrechnung mit der PKV müssen Honorare verhandelt werden, was soll die PKV sonst erstatten? Eine Aufhebung der Niederlassungsbschränkung allein würde nichts daran ändern, dass ein Vertragsarzt Privatpatienten bzw. Privatbehandlungen/IGeL stets den Vorzug gibt und Kassenmedizin auf das Notwendigste beschränkt. Der Großteil des Honorars wird doch aber in den meisten Praxen über Kassenpatienten generiert, das gehört auch zur Wahrheit.


Noch einmal: Der Arzt soll VOR der Konsultation nicht wissen können, wer aus eigener Tasche (zu)zahlt oder eine Zusatzversicherung hat oder eben nicht. Er soll also nicht durch Bevorzugung auf höhere Umsätze spekulieren können. Ich gebe zu, dass das schwierig sein dürfte, denn bei jeder Terminanfrage kann man sich die gewünschte Bevorzugung verschaffen, indem man durchblicken lässt, sich naturheilkundlich behandeln lassen zu wollen o.ä. Darüber muss ich nochmals nachdenken.
Der Patient meldet sich jedenfalls bei einer Terminanfrage als "bürgerversichert" an wie jeder andere auch, sofern überhaupt noch danach gefragt würde, weil JEDER in die Bürgerversicherung einzahlt. Eine PKV-Vollversicherung soll es ja nicht mehr geben können.

timmie2 hat geschrieben:
Ohne genauere Angaben gibt’s oft erst gar keinen Termin, wie PR netterweise in seinen Kommentaren bestätigte.

Siehe oben! Jeder wäre in einer Bürgerversicherung versichert, die dem Arzt auch angemessene Honorare bezahlen kann, WEIL eben jeder da hinein einzahlt. PR würde sich das im Wettbewerbsfall zweimal überlegen, jemanden abzuweisen, denn nebenan wartet der Kollege auf Kundschaft und er müsste weiter bei seiner Frau Subventionen einfordern.

timmie2 hat geschrieben:
Ich halte überhaupt nichts von Preisdumping, denn langfristig zahlt man meistens drauf. Qualität hat seinen Preis, aber nicht immer hat der hohe Preis auch die versprochene Qualität.


Exakt das Gefettete ist das Problem. Hätte man es durch die Bank mit Ehrenfrauen und Ehrenmännern zu tun, die für einen guten Lohn auch verlässlich gute Qualität liefern würden, bräuchte das SGB V nur halb so dick sein.

Aber wahrscheinlich wir alle neigen dazu, nach einer Zeit des Fleißes und des Engagements den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Wenn es auch bequem -aber eben schlampig- problemlos geht, 50 Euro zu verdienen, reiß ich mir nicht für die 50 Euro "freiwillig" den @rsch auf.
Von außen kontrollieren kann man ärztliche Qualitätsarbeit fast nicht, deshalb muss es ein Instrument geben, das dafür sorgt, dass den Ärzten selbst an Qualität gelegen ist.
Das ist auch der Grund, warum ich einen Kontraktionszwang nur als allerletztes Mittel in Betracht zöge und zuerst mal nur als Drohgebährde.

Humungus hat geschrieben:
Übrigens, irgendwo wurde über mich behauptet, ich würde nur 20 Stunden pro Woche Kassenpatienten machen und auch keinen Notdienst. Beides ist falsch. Ich habe nicht einmal eine P-Sprechstunde, denn ich halte nichts davon. Und den augenärztlichen Notdienst schiebe ich brav alle drei Monate für eine Woche.


Ja, so habe ich Sie verstanden. Irgendwo schrieben Sie (oder PR?; mehr Ärzte schreiben hier ja nicht) mal, sich vom Bereitschaftsdienst freizukaufen, weil Sie nicht einsehen, außerhalb der Sprechzeiten irgendwelche Nassauer zu versorgen, die nur zu faul wären, in die Sprechstunde zu kommen.
Und mehrfach wurde hier geschrieben, dass die Krankenkassen nicht mehr als 20 Std. gekauft hätten. Was darüber hinaus geleistet würde, wäre unbezahlt.

Humungus hat geschrieben:
Die heutige strikte Bedarfsplanung ist noch nicht so alt, knapp 25 Jahre. Trotzdem kam es vorher nicht zu einem wirklich freien Wettbewerb.


Klar, dafür gab es zuwenig Ärzte. Ich bin jetzt seit 26 Jahren mit einem Optikergeschäft vor Ort. Damals gab es weniger Augenärzte als heute, einer davon kurz vor dem Ruhestand, bei dem man meist "sofort" an einen Termin kam. Die Wartezimmer waren bei Weitem nicht so brechend voll, wie sie es heute - mit deutlich mehr Ärzten - sind.

Kennen Sie die Ursache für diese Entwicklung? Für mich ist das Problem der vollen Wartezimmer hausgemacht.

Humungus hat geschrieben:
Man sollte sich nochmal daran erinnern, warum das GSG so strikt wurde: um Geld zu sparen.

Sie werden hier noch zum Verteidiger der "kranken Kassen" :wink:

Ich bezweifle, dass Geld gespart wurde, siehe übervolle Wartezimmer. Im Umkehrschluss ließe sich noch mehr Geld einsparen, wenn man die Ärzte überhaupt abschaffen würde, die Zähne beim Bader gezogen und die Brille bei Oppicker ausgemessen würden.
Ich glaube vielmehr, wir sind jetzt an einer "Schmerzgrenze" bzgl. humaner Versorgung von Kranken. Das müssen die Kassen und die KVen und die Politik einsehen, sonst gibts ein böses Erwachen.

Humungus hat geschrieben:
Wenn man wirklich Pandoras Büchse öffnen will, müsste man die Niederlassung freigeben und die Honorare deckeln.

Das mit der Deckelung habe ich ja auch beschrieben. Warum hätte man die Büchse geöffnet? Wir anderen Selbständigen leben mit all dem Bösen aus der Büchse tagein tagaus.
Übrigens: Aus Pandoras Büchse ist viel entwichen, aber nicht die Hoffnung. :wink:


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 Betreff des Beitrags: Re: Landarztquote
BeitragVerfasst: 18.08.17, 10:10 
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Auf jeden Fall lassen die Gesundheitsminister (seit Herrn Seehofer, wenn ich es hier richtig verfolgt habe) den letzten Beruf, der eben noch nicht seine Dienste durch Geld vermessen lassen wollte, weil er außer Tabletten, Überweisung, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, noch ein Mehr zu bieten hatte, das sich Gespräch und persönliche Inaugenscheinnahme und stetiges Begleiten nannte, ohne wirkliche Not „über die Klinge springen“.
Es zeigt sich schon jetzt, was wir gesundheitspolitisch wert sind. Wir haben nicht mit Krieg und nicht mit Seuchen zu rechnen. Da wird man schon mal sehr leichtsinnig und verhökert halt den Menschen in seinen Teilgebieten, weil sich für jedes eine Branche findet, die wieder etwas Geld daran verdient. Und der, woran nicht verdient werden kann, stirbt eben früher. Die Berichte zeigen es auf.
Aber auch: Je mehr Niedergelassene wegbrechen, um so größer wird das Geschrei der Politik. Arbeitgeberandienlich, weil Arbeitsplätze auf Biegen und Brechen oberstes Gebot sind. Ich warte darauf, dass, weil es immer schwieriger für den Normalo wird, zeitnahe Arzttermine zu erhalten, gefordert wird, Abendsprechstunden beim Arzt einzurichten. Oder noch besser, direkt in den Firmen den Firmenarzt mit weiteren Modulen auszustatten. Für den Berufstätigen.
Es ist widersinnig. Und es ist vor allem nicht wieder zurückzuholen, schlicht und ergreifend ist ein anständiges System zerschlagen worden, obwohl es für jeden, egal, ob er sich mit viel Geld privat versichern kann oder nicht, wichtig und richtig war. Das ist (für mich gefühlt) die geöffnete Pandora - Büchse. Die Menschen werden sich verstärkt der Homöopathie und ähnlichen Heilversprechern zuwenden. Ist aber auch gewollt, weil es wieder Verdienstnischen füllt.

Frdl. Grüße
Christiane


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 Betreff des Beitrags: überlegen, jemanden abzuweisen
BeitragVerfasst: 18.08.17, 17:01 
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Von der Landarztquote sind wir jetzt aber doch ziemlich weit weg, gell ?

Macht m i r nix, verbring eben den dritten Tarifurlaubstag meiner Schätzchen.

Die sind übrigens immer recht unglücklich, wenn ich mich mal an den Arbeitsplatz gesetzt hab, an dem das Telefon steht, das als Erstes dran ist, wenn wer meine Praxis braucht. Denn, ob's hier Termine gibt oder nicht, darüber (wie über die Terminierung der Praxisferien) bestimmt doch in allererster Linie die Tarifarbeitszeit meiner Schätzchen.

Hier beißt sich der Sozialstaat in den Schwanz.
Wird sich in nicht ferner Zukunft erweisen, wohin er sich noch alles wird beißen müssen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Landarztquote
BeitragVerfasst: 18.08.17, 18:25 
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PR hat geschrieben:
…da war grad mal wieder Lieschen Müller dran, oder ? timmie einszweidrei ?
Ob Lieschen Müller oder timmieeinszweidrei…Wenn es Sie glücklich macht, dürfen Sie mich sogar ‚Schätzchen’ nennen, gell ‚Schatzele’ :P

Humungus hat geschrieben:
Übrigens, irgendwo wurde über mich behauptet, ich würde nur 20 Stunden pro Woche Kassenpatienten machen und auch keinen Notdienst…
Das scheint eine Verwechslung zu sein, diese Aussagen kamen von Ihrem Kollegen PR

Humungus hat geschrieben:
Was wollen Sie denn? Dass man erst gar nicht mehr fragt, worum es geht?
Wenn ich als Kassenpatient einen Termin beim Vertragsarzt anfrage erwarte ich auch einen Termin sofern noch Termine vorhanden sind und keine Patientenselektion nach ökonomischen Vorlieben


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 Betreff des Beitrags: erwarte ich auch einen Termin
BeitragVerfasst: 18.08.17, 19:55 
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Haben 12.000 von "meinen" 15.000 Patientinnen 25 Jahre lang erwartet und gekriegt.

Jetzt hat's allerdings so gut wie keine Termine mehr, will ich meine Schätzchen nicht ausbeuten.

Ab 01.10. macht wer anders für mich Termine, denn ab da bin ich für 10 Halbtage Angestellter, und dann leg ich die Schuhlöffel endgültig weg. Gestern waren Kollegen da, die sie gern hätten, und noch einiges mehr. Zum Freundschaftspreis, ist eh fast alles abgeschrieben. Punktlandung insofern.

PR

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 Betreff des Beitrags: Re: Landarztquote
BeitragVerfasst: 20.08.17, 00:09 
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Jetzt habe ich gedacht, die Schweiz ist schlauer und vor allem vorausschauender, weil sie uns die Ärzte schon lange abwirbt, aber auch dort ist die Grundversorgung durch die Hausarztmedizin gefährdet. Als wäre es ein Problem, das sich von heut auf morgen dargestellt hat.
Nicht alleine zu arbeiten, nicht den ganzen Tag, weniger Arbeitspensum sind Ansprüche der Studierenden ähnlich wie hier.

„Im Rahmen des Baslers SUK-Programms P-10 fand der Workshop «How to find more GPs? – The influence of admissions policies and motivation during undergraduate studies» statt. Eingeladen waren dazu internationale Experten aus Grossbritannien, den Niederlanden und der Schweiz. Ziel war es zu diskutieren, inwieweit die Zulassungsbedingungen zum Medizinstudium einen Einfluss auf ein Interesse an Hausarztmedizin haben können und wie das Interesse für Hausarztmedizin ¬unter den Studierenden erhöht werden kann…“

https://(Wortsperre: Name).ch/de/art ... 017.01392/

Frdl. Grüße
Christiane


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BeitragVerfasst: 20.08.17, 10:13 
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wie dort und hier Entwicklungen stattfinden.

Hier wird von oben nach unten durchreglementiert, dabei aber Vorgang und Ergebnis der Reglementierung den Regierten auch noch geleugnet. Paradebeispiel ist die "körperschaftliche" Organisation der Gesundheizkostenfinanzierung über KVen und Kassen, das seit der Hitlerei bis heute überdauert.

Ab 2 km Luftlinie von hier werden dem Wahlvolk die Dinge erklärt, und die Entscheidungsvorgänge werden gemeinsam geübt. (Wer nicht als Schweizer geboren ist und es werden will, hat zuvor eine Aufnahmeprüfung zu bestehen mit Fragen bis herunter auf Stadtteilebene, die nur beantworten kann, wer sich damit intensiv beschäftigt hat.) Und dann wird das Wahlvolk g e f r a g t , und dessen Votum entscheidet. Selbstverständlich gibts mächtige pressure groups, aber man kennt sie, braucht sie, achtet sie, aber lässt sie nicht entscheiden. Und Politiker, die wie hier mit Totschlagwörtern daherkommen ("alternativlos" und so), lässt man dort freundlich lächelnd über ihre Sprüche und Taten aus dem Politzirkus hinausstolpern (erinnere mich da so an einen Basler Gesundheizdirektor, der geglaubt hatte, unbedingt bei einen gesundbrunnen in die Lehre gehen zu müssen...)

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 Betreff des Beitrags: Re: Landarztquote
BeitragVerfasst: 29.09.17, 21:15 
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Herr Laumann kümmert sich. Das Kind liegt tief im Brunnen und Herr Laumann schreibt einen Zustandsbericht. Immerhin.
https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/d ... 17-107.pdf

Frdl. Grüße
Christiane


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 Betreff des Beitrags: Tja, wenn da bloß
BeitragVerfasst: 01.10.17, 21:15 
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"die verfassungsrechtlichen Hürden" nicht wären...

Eben retour von zweieinhalb Tagen binationalem Radeln rings um's Deutsche Weintor. Plus gepflegt plaudern plus gepflegt futtern plus gepflegt wohnen. Nicht schlecht für die ersten zweieinhalb Tage Pensionär.

Die Gegend ist augenscheinlich gesundheitsversorgungsmäßig noch immer da, wo sie vor 25 Jahre war. Wenn von da eine Notfallaufnahme angekündigt war im nicht ganz so nahen rechtsrheinischen Städtischen Klinikum, war es für den Diensthabenden ratsam, die Hebamme im Hintergrundsdienst ins Haus zu holen und den OA sofort zu wecken...

PR

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