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 Betreff des Beitrags: Die junge Patientin
BeitragVerfasst: 03.03.17, 20:57 
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ist mir entweder von ihrer eigenen Geburt persönlich bekannt, irgendwann später von ihrer Mutter zu mir geschickt worden, richtet mir mitunter Grüße aus von der Großmutter, und ist mit der Betreuung ihrer Schwangerschaft meistens hochzufrieden, jedenfalls müssen meine Schätzchen so zweimal im Jahr die Geburtsanzeigen von der Pinnwand pflücken und in einen Folianten im Format eines mittelalterlichen Meßbuchs kleben.

Oder sie versucht, von Facharzt zu Facharzt zu hoppen, weil ihr jeweils die Arbeitsweise oder die Ratschläge oder die Praxisräume oder die Wartezeit nicht passen oder alles zusammen.

Jedoch treten dabei in letzter Zeit rasch zunehmend physikalische Hürden auf, denn die Facharztpraxis-Landschaft verdünnt sich gerade rapide, und wer sich öfter mal richdich blöd benommen oder vereinbarte Termine mehrfach verbummelt hat oder sichtbar bloß halt mal wieder hoppen will, kriegt auch bei mir nur noch sehr schwer Termine, glabstibinbled ? Und so wer trägt dann halt auch medizinisch echt ein Risiko mit sich rum.

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BeitragVerfasst: 04.03.17, 02:57 
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Barnie Geröllheimer hat geschrieben:
...ich habe allerdings etwas dagegen, dass mir ein Arzt oder eine Krankenkasse sagen möchte, was mir "auszureichen" hat oder mich womöglich überhaupt nicht behandelt.


Aber das ist es doch, was PR u. a. „umtreibt“ (so habe ich ihn oft verstanden); genau das folgt aus der Budgetierung.

Frdl. Grüße
Christiane


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BeitragVerfasst: 04.03.17, 08:46 
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Beiträge: 4693
Christianes Herz hat geschrieben:
...genau das folgt aus der Budgetierung.
Ah, ja, das Thema wollte ich auch noch ein wenig ausbreiten, denn es zeigt ebenso die Misere der Niedergelassenen.

Für Kassenpatienten gibt es nicht nur Budgets, es gibt auch noch WANZ und den EBM. Das heißt, dass der Patient mit einer gerade noch so ausreichenden Behandlung zufrieden sein muss, Note 4 (auch, wenn Politiker das vehement abstreiten). Und außerdem gibt es Leistungen, die gar nicht im Gebührenordnungskatalog enthalten sind. Das heißt - egal, ob die Leistung notwendig ist oder nicht, bei Kassenpatienten werde sie nicht bezahlt.
Nun kann jeder Kassenpatient natürlich gerne gegen seine Kasse klagen und die Leistung erzwingen, das macht aber nur ein winzig kleiner Anteil. Weils aufwendig ist, weils kostet, weil der Otto Normalpatient gar nicht weiß wie das geht.

Und jetzt zum Niedergelassenen. Der hat mit dem Patienten einen Behandlungsvertrag nach §630a BGB geschlossen, und er ist verpflichtet, den Patienten "nach den zum Zeitpunkt der Behandlung bestehenden, allgemein anerkannten fachlichen Standards" zu behandeln, sofern "nicht etwas anderes vereinbart ist."

Die "allgemein anerkannten fachlichen Standards" gehen weit über Kassenniveau heraus, beispielsweise Glaukom-Vorsorge (die nun wirklich allgemein fachlich anerkannt ist) oder auch OCT zur Früherkennung von Makuladegeneration.

Was macht der Kassenarzt?
1. Er sagt dem Patienten "Sie sind Kassenpatient, und wir müssen eine Behandlung zum Kassenniveau vereinbaren"?
Das kostet extrem viel Zeit, wird den Patienten vergrämen und die Praxis vernichten.
2. Er sagt dem Patienten "so, das ist Kassenmedizin, aber das ist sinnvoll und fachlich anerkannt, und das zahlen Sie aus eigener Tasche"?
Das ist heute üblich und ruft den Zorn der Lauterbachs, den Widerstand der Montgomerys (GOÄ-Reform...) und den Ärger der Barnies (=Patient) hervor.
3. Er kassiert Kassenhonorar, schafft sich aber die teuren Geräte an und untersucht für umme?
So wollen es Patienten und Politiker, und früher war das so üblich, aber das kann sich kein Niedergelassener mehr leisten!

Wie man sieht: der Kassenarzt hat nicht nur die Ar...karte, sondern er steht in einer juristischen Zwickmühle. Auch das hat der angestellte Arzt nicht zu befürchten, denn Geld spielt für ihn keine Rolle. Wenn die Geräte da stehen und der Arbeitgeber es sagt, wird untersucht, wenn nicht, tja dann eben nicht. Auch das ist ein echtes Argument gegen eine Niederlassung - warum einen Job machen, bei dem man immer mehr fürchten muss verklagt zu werden? Noch dazu, wenn die Kassen jedes Jahr mit großer Lust Schwerverbrachen von Kassenärzten anprangern, von denen sich kaum welche als wahr herausstellen?

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BeitragVerfasst: 04.03.17, 10:36 
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Beiträge: 753
PR hat geschrieben:
Jedoch treten dabei in letzter Zeit rasch zunehmend physikalische Hürden auf, denn die Facharztpraxis-Landschaft verdünnt sich gerade rapide, und wer sich öfter mal richdich blöd benommen oder vereinbarte Termine mehrfach verbummelt hat oder sichtbar bloß halt mal wieder hoppen will, kriegt auch bei mir nur noch sehr schwer Termine, glabstibinbled ? Und so wer trägt dann halt auch medizinisch echt ein Risiko mit sich rum.


Soviel zur freien Arztwahl! Und was tut die Patientin, wenn sich der Arzt "richdich blöd benommen" hat?

Christianes Herz hat geschrieben:
Barnie Geröllheimer hat geschrieben:
...ich habe allerdings etwas dagegen, dass mir ein Arzt oder eine Krankenkasse sagen möchte, was mir "auszureichen" hat oder mich womöglich überhaupt nicht behandelt.

Aber das ist es doch, was PR u. a. „umtreibt“ (so habe ich ihn oft verstanden); genau das folgt aus der Budgetierung.


Jo, war schlecht formuliert. Ich wollte damit sagen, dass ich weder einer Krankenkasse noch einem Arzt erlaube, für mein Geld Gegen"leistungen" nach Belieben, im Zweifelsfall auch überhaupt nicht zu erbringen. Wenn einem Augenarzt die 18 Euro zu wenig sind, dann behandelt er mich halt einfach nicht, lässt sich ein Resultat (z.B. ein Brillenrezept) als IGeL bezahlen oder gibt mir gnädigerweise in 6 Monaten einen Termin, an dem ich dann vom nichtärztlichen Personal abgefertigt werde.
Weder eine Krankenkasse noch ein Arzt darf sich erlauben, einem durch akute Entzündung massiv sehbehinderten Bechterew-Patienten mit erheblichen Schmerzen unbehandelt zu lassen, nur weil keine Vitalfunktionen beeinträchtigt sind. Und keine VoZiDa darf angewiesen werden, Teenager mit Luftnot und Panikattacken unbehandelt wegzuschicken, ohne dass es straf- und berufsrechtliche Folgen hat.

Dabei habe ich durchaus Verständnis für die Notwendigkeit, verantwortungsvoll mit dem Geld aus dem Soldartopf umgehen zu müssen. Nur bin ich immer noch für viel Geld krankenversichert und habe das Recht, zeitnah und angemessen bei einem der Erfüllungsgehilfen meines Versicherers behandelt zu werden. Übrigens auch ohne direkten Vertrag mit dem Arzt, dessen Konditionen mir weder ausgehändigt noch zur Kenntnis gebracht werden, zumal es für den Arzt keinen Kontrahierungszwang gibt.


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BeitragVerfasst: 08.03.17, 21:13 
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für viel Geld, sondern bloß Kassenmitglied.

Eben eine dreiviertelstunde Telefonat mit der letzten Fachkollegin am Wirkungsort, mit der, die alleine von vieren überbleibt Ende des Jahres. Schiebt allmählich Panik, hängt noch drei Jahre in einem teuren Mietvertrag für kürzlich bezogene super hergerichtete Räume, eine Mietmitzahlerin fällt ihr gleichzeitig mit mir weg, der dritte im Bund ist einundsiebzig und arbeitet noch zwei Halbtage die Woche und nur noch Private, wird wohl grad für den Mietanteil reichen. Die Kollegin wird ab nächstem Januar den sozialen Brennpunkt vor der Tür stehen haben, dem ich bisher immer am nächsten gewesen war.

Achja, der Oberarzt der Nation hat sich eben in einer kleinen Provinzzeitung interviewen lassen und gesagt, die Leute müssten sich halt allmählich schon an den Gedanken gewöhnen, nicht mehr flächendeckend Fachärzte zur freien Verfügung zu haben.

Das Schweinesystem schafft sich grad im dto. Galopp selber ab. Muss man direkt drüber froh sein, irgendwie...

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