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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Ich schreib schon mal Kündigungen
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 Betreff des Beitrags: Ich schreib schon mal Kündigungen
BeitragVerfasst: 22.02.17, 20:55 
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und Zeugnisse für meine Schätzchen. S’isch Zitt, sagt der Markgräfler, und nachdem letzten Freitag die Witwe meines Vorgängers unter Blumenerde gekommen ist, seh ich das auch so.

Meine jüngste Mitarbeiterin ist am längsten da, ein Vierteljahrhundert, hat den Beruf nach der Hauptschule bei mir gelernt, drum Kündigungsfrist sieben Monate. Wer‘ ihr morgen oder Freitag den zugehörigen Zeugnisvorschlag zu lesen geben, wahrscheinlich wird der amigo noch das eine oder andere geändert haben wollen, ist schließlich Personalsachbearbeiter einer Klinikverwaltung, wer‘ ich natürlich nachtragen, was solls, die nächste Kündigung geht dann Ende März raus, die andern beiden Anfang Sommerferien.

Vier Märzwochen lang wird die geliebte Zwangskörperschaft meinen „Kassensitz“ internetöffentlich ausschreiben, dann krieg ich eine Bewerberliste ausgehändigt, auf der die mutmaßlich einzigen beiden Bewerber stehen werden, die meinen Kassensitz gern ein Städtchen weiter transportieren würden, ein Wunsch, der noch etliche weitere teure Verwaltungsakte nach sich ziehen wird. Stehen mehr Bewerber drauf, wird die Auswahlentscheidung eh auch von der Zwangskörperschaft getroffen.

Geld wert sind die Gesäßstützen der Selbstverwaltung eh nicht, da geht’s mir jetzt nicht viel anders als den ewig verhinderten Häuslebauern mit ihren bauspar Kassen: was geht die denn heut noch ihre Verkaufe von vor fünfundzwanzig Jahren an ?

Wenigstens mag ich sie, die beiden mittvierziger Fachärzte, die ihre Tätigkeit zulasten der entsetzlich kranken Kasse gern ein wenig ausweiten würden, ohne dafür gleich in Regress genommen zu werden.

Die beiden tät ich meinen Patientinnen durchaus gönnen. Und der Rest muss eh schauen, wo sie bleibt.

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 Betreff des Beitrags: Die Reaktion
BeitragVerfasst: 28.02.17, 21:34 
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auf meine Ankündigung: "nächstes Jahr bin ich weg" ist fast durchwegs die gleiche: "ja, da wer' ich mich mal gleich auf die Suche begeben".

Glückauf, mit mir machen zwei weitere Fachkollegen im Landkreis ihr Kleinstgewerbe Ende siebzehn zu,
und die übrigbleibenden haben, je weniger, desto Aufnahmestop.

Süß das Kompliment einer Albanerin: ooch, bei Ihnen wollt ich doch noch ein Kind kriegen. Dann müssen Sie am Wochenend damit anfangen, hab ich gesagt. Das klappt noch, jede Wette. Man nennt sowas Psychosomatik, timmiezwoo.

PR

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BeitragVerfasst: 01.03.17, 09:22 
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Herr Fischer hatte hier einen Beitrag geschrieben, ihn aber wieder gelöscht. Sie haben recht, Herr Fischer - heutzutage können Sie als Niedergelassener praktisch nach Belieben Scheine generieren. Die Sprechstunde ist immer voll, und die sinkende Arztdichte führt dazu, dass es immer weniger Alternativen für die Patienten gibt, besonders auf dem Land.

Trotzdem finden wir keinen Partner für mich! Ist das nicht auffällig? Vor 20 Jahren, als ich mich niederließ, reichte ein Fingerschnippen eines Praxisinhabers, und die Bewerber standen Schlange. Heute? Null. Nix. Nada. Wie das kommt?

1. Selbständig heißt selbst und ständig. Da ist nix mit Tarifarbeitszeit etc.
2. Wer weiß, ob Praxen noch in 10 Jahren existieren oder durch SEPD oder auch die Medizinindustrie, propagiert von Karl Lauterbach, alles plattgemacht hat?
3. Selbst Privatpatienten wird es nicht mehr ewig geben. Und unseren Politikern wird schon etwas einfallen, um Selbstzahlermedizin zu erschweren.
4. Wer zuviel arbeitet, dem tritt die KV auf die Füße: "Übermaßige Ausweitung kassenärztlicher Tätigkeit"
5. immer weiter zunehmende Bürokratie, mit drei Zielsetzungen: A Datengewinn, B Gängelung, C Kostengenerierung (bestes Beispiel: QM)

Heißt: keine Perspektive für eine Niederlassung. Da kann man noch so feste mit Umsatz- oder Scheinzahlen winken.

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 Betreff des Beitrags: Ich hab jetzt 25 Jahre lang
BeitragVerfasst: 01.03.17, 15:52 
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den Betrieb meiner Fachpraxis mit jährlich 30.000€ aus dem Gehalt / zuletzt der Rente meiner Hauptsponsorin quersubventioniert.

Diese Zahl entstammt dem aktuellen "Praxiswertgutachten" der Kassenärztlichen Vereinigung Südbaden, die mir mitgeteilt hat, diese Summe fehle Jahr für Jahr an meinen Gesamteinnahmen (geprüfte EÜR) (Kasse+Privat+IGeL+Gutachten) zu einem (angeblich kässlich garantierten) Facharztgehalt, dies bei (achso, leider nur !) fachgruppendurchschnittlicher Fallzahl.

Kann mitteilen, das war nicht bloß im überprüften Zeitraum so, sondern die ganzen 25 Jahre.

Meine gesamten Renteneinnahmen des Jahres 2016 gingen drauf, um die Vorgaben des Regierungspräsidiums Südbaden zum Laufbetrieb zu erfüllen.

Das sind die Zahlen, die ich jedem Bewerber um meine seit heute unter Chiffre F-032017-09 internetlich zur Nachfolge ausgeschriebene Praxis um die Ohren hauen werd.

Mit welcher Folge wohl , sofern diejenige sich bei Troste befindet ?

PR

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BeitragVerfasst: 01.03.17, 16:56 
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Lieber Kollege Humungus und PR,
" Wer zuviel arbeitet, dem tritt die KV auf die Füße: "Übermaßige Ausweitung kassenärztlicher Tätigkeit""- erklärt dies die langen Wartezeiten, wenn man einen Termin vereinbart?
Schade, ich hätte meinen Beitrag nicht löschen sollen, er erschien mir aber zu naiv und wohl zu blauäugig. Dennoch versuch ich es noch einmal:#
zu meiner Zeit als Niedergelassener nach fast 10 Jahren als OA tätig, von 1988-2005- waren 5 ( !) Gynäkologen am Ort, einer kleinen 17.000 Einwohner zählenden schwäbischen Kreisstadt. Dazu hatte der damalige Chefarzt noch eine Genehmigung zur Betreibung einer Ambulanz- ein absolutes Unding bei dieser Facharztdichte, die zudem das gesamte Spektrum abdeckte. Man mußte also durchaus um Scheine kämpfen, wenn man nicht " angesagt" war oder eine Praxisbesonderheit aufweisen konnte ( was in meinem Fall zum Glück vorlag).Wenn also heute Praxen keinen Nachfolger finden können- da hatte ich auch noch Glück-müßten doch die noch verbliebenen Ärzte vor Ort eine enorme Scheinzahl aufweisen können, natürlich mit wahnsinnigem Zeitaufwand verbunden. Früher galt, je mehr Scheine, desto höher der Umsatz, trotz natürlich höherer Praxisunkosten.
Ist also der Zulauf zu anderen Kollegen vor Ort, weil eine Praxis schließt, gleichzusetzen mit einer " übermäßiger Ausdehnung"? Dann wäre mir allerdings alles klar. Nochmal zu meinem Verständnis:
angenommen, eine Praxis hat 900 Scheine, kommt aber durch die Schließung einer anderen Praxis auf einen Scheinzuwachs von gesamt 1300 Scheine- ist das eine übermäßige Ausweitung? Würde dann -bezogen auf die fachgruppendurchschnittliche Fallzahl- pro Abrechnungsschein weniger Honorar vergütet werden? Mehr Scheine- mehr Arbeit-höhere Praxiskosten- zur Strafe weniger Einkommen?
Es kann doch nicht sein, dass eine florierende Praxis letztlich weniger ertragreich sein soll als eine kleinere Praxis.

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Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


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BeitragVerfasst: 01.03.17, 19:07 
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zur Tatsache, dass Sie Ihre vertragsärztliche Tätigkeit offenbar eben noch rechtzeitig beendet haben.

Nein, Sie können Ihre Scheinzahl nicht in kurzer Zeit von 900 auf 1.300 erhöhen, ohne massiv gratis zu arbeiten. Ich arbeit ja jetzt schon im Normalbetrieb mit 15 % nicht honorierter Honoraranforderung.
Sie dürfen das nur planmäßig und in kleinen Etappen. Und: nein. das wär auch keine Investition in die Zukunft, denn irgendwann bald kommt in irgendeiner Form die Einheizversicherung und die GOÄ wird ähbähemmisiert, dank Montgomery und Konsorten.

Es geht im Übrigen ja nicht um den Umsatz, sondern um den Gewinn - und zwar, wenn Sie wie ein Geschäftsmann rechnen, den Gewinn aus Arbeit plus den aus Kapitaleinsatz = den Vorhaltekosten. Die sind jedoch längst zu kostenlosen (= von Kassenärzten privatfinanzierten) Darlehen an kranke Kassen geworden. In aller Regel kreditfinanziert. Diese Kredite hat man zu Ihren aktiven Zeiten aus steuerlichen Gründen stehenlassen, die Zinsen als Betriebkosten abgesetzt, und erst mit dem Verkaufserlös der Praxis getilgt, bloß funktioniert das seit der Jahrtausendwende so nicht mehr. Nur der Gewinn zählt, denn nur der ist mit dem Einkommen eines angestellten Facharztes vergleichbar.

Mit mir hört eine weitere Kollegin auf, dann gibts hier in der großen Kreisstadt (30.000 EW plus sehr großes ländliches Umfeld am Rand der Großstadt Basel) noch eine letzte Fachkollegin "auf Kasse". (Der Doyen im Landkreis privatisiert noch so ein bisschen rum, aber das wär mein Ding nicht.) Eine von ehemals vieren in Vollbeschäftigung. Dann ist auch rechnerisch Unterversorgung, die Kavau wird mit Lockprämien wedeln, zehntausend hie, zehntausend da, aber unsere jungen Kollegen in der Klinik werden vollkommen zurecht den Teufel tun, sich aus der gewerkschaftsgeschützten Anstellung hinauszubegeben.

Wer sogenannte "Gewinne" einstreicht, das sind die kranken Kassen (öffentlichrechtliche Körperschaften, notabene), und sie geben derzeit ja auch wieder damit an wie zehn textilfreie Subsaharianer, Ätsch-Effekt inbegriffen.

Die Kavauen wissen längst, dass der nichtoperative = Grundversorger-Teil der Kassenpraxen chronisch unterfinanziert und der Investitionsstau gebirgsartig ist, das bayrische Neubauer-Gutachten ist ja gegen deren Willen öffentlich gemacht worden, aber mehr als die impotente Metke'sche Intervention: "es gibt auch sinnvolle IGeLs" ist den Hauptamtlichen in den Kavauen ja einfach nicht erlaubt, sonst schreiten die Landesmister ein.


Nönö, das körperschaftliche Schweinesystem ist am Ende. Kaputtgespart. Von der Gegenseite längst ausgehöhlt. Überleben wird der Kassenarzt, der seine Patienten rechtzeitig an IGeLs gewöhnt hat und konsequent diejenigen wegekelt, die sowas nicht können oder wollen.

Kassenarzt wird zum Schimpfwort werden. Ende September bin ich aus dem Schneider. Bis dahin werde ich dafür sorgen.

PR

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BeitragVerfasst: 01.03.17, 22:15 
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Dr.med.Holger Fischer hat geschrieben:
...er erschien mir aber zu naiv und wohl zu blauäugig.
Nein, er gibt genau das wieder, was alle denken: wie kann es nur kommen, dass die Versorgung dermaßen einbricht? Eigentlich müssten sich doch alls Nachwuchsärzte - so wie früher - um die Praxen reißen!

Der Weg, den die Politik eingeschlagen hat, nämlich auch die ambulante Versorgung den Kliniken zuzuschanzen, führt in eine Sackgasse. Ambulante Versorgung muss effizient geschehen, sonst lohnt sie nicht. Kliniken sind aber nicht so effizient wie niedergelassene Praxen, sie brauchen die ambulanten Patienten aber gerne im OP. Das heißt, dass nur die Bereiche für Kliniken interessant sind, die viele Operationen generieren. Das klassische streng konservative Metier ist eher eine Last als eine Lust.

Zusätzlich sind Ärzte nicht dumm, und sie überlegen genau, wie die Zukunft aussieht. Der niedergelassene Sektor ist heutzutage voller Unwägbarkeiten. Wie sieht er in 10 Jahren aus? Lohnt sich noch eine Investition? Lohnt der Aufwand? Oder bleibt man lieber gleich in der Klinik?

Die Feminisierung des Arztberufs ist meiner Meinung nach auch daher stammend. Viele Männer, insbesondere Spitzenkräfte, wählen eine andere Branche. Warum ums Einserabitur kämpfen und dann noch sechs Jahre Studium plus fünf Jahre Weiterbildung, wenn man weiß, dass man über den Oberarzt kaum herauskommt? Und die heutigen Chefarztverträge sind auch nicht mehr so verlockend. Kaum Privatliquidationsrecht (und wer weiß, mit den Privaten...), Knecht der Verwaltung und des Controllings? Dann vielleicht doch lieber Ingenieur und händeringend gesucht? Oder das Finanzwesen? Der EDV-Sektor?

Männer und Frauen wiederum denken auch an Familie, Zukunft, Leben. Früher hieß es: der Franzose arbeitet, um zu leben, beim Deutschen ist es andersherum. Das ist vorbei. Die Generation Y will mehr als blockern.

Die Sperenzien der KVen tun noch ihr Übriges. Die Mechanismen, die entworfen wurden, um Expansion zu bremsen und auch die Kleinen leben zu lassen, hemmen freies Unternehmertum. Die unsäglichen zusätzlichen Ärgernisse (Zwangs-QM, Begehungen, Formulare etc. pp - natürlich alles kostenpflichtig und zeitraubend) lassen auch keine Lust aufkommen. Und so kommt alles zusammen und führt dazu, dass der Arztberuf sich wandelt. Und die Versorgung auch. Telemedizin? Gemeindeschwester? Mir persönlich schwant nichts Gutes.

@PR: auch das IGeLn wird nicht ewig gehen. Die Augenärzte führen mittlerweile einen harten Kampf gegen die Verbraucherverbände. Beispielsweise darf nicht mehr behauptet werden, dass die Sinnhaftigkeit der Glaukomvorsorge "wissenschaftlich erwiesen" sei. Dass jeder Augenarzt anderer Meinung ist und auch Gerichte eine Glaukomvorsorge verlangen - who cares? Wir befinden und längst im Orwellschen Raum. 2+2=5.

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 Betreff des Beitrags: Einserabitur
BeitragVerfasst: 01.03.17, 22:59 
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No, ich hatt damals zweikommadrei, die aber schwäbisch ehrlich von einem Schtuergerter Nobelgymmi und seehr lange vor aller rotgrüner Schulreform. (Die grüne Gründerin Uschi Eid war danach grad mal Kommilitonin auf der Landwirtschaftlichen Unität Hohenheim, und viel viel später wollt mir ihr geistiger Vater Erhard Eppler die mal als Festrednerin zu einem Jubiläum meines Vereins andrehen, aber da wollte die nicht).

Musst mich auch später immer wieder mal einem Prof zum Kolloq stellen, damit's weiter "Honnef" gab, später BAFöG, weil ich als Bauarbeiter oder Taxifahrer oder Kellner oder Kellereiarbeiter oder Barkeeper die Kursscheine halt immer erst e weng später beibrachte. Wollt freillich die Zeit nicht missen, zehr bis heut davon.

PR

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BeitragVerfasst: 02.03.17, 10:30 
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Ist ganz interessant, hier als Mäuschen mitzulesen.

Aber eines muss ich hier doch loswerden:

@PR @Humungus
Sie beide scheinen zu glauben, dass der Patient nach Belieben schikaniert und ärztlich "versorgt" werden kann, ohne dass dieser irgendwann aufmuckt! Ich verspreche Ihnen, das wird nicht passieren! Spätestens, wenn es die ersten Toten wegen mangelhafter, fehlender bzw. verweigerter ärztlicher Hilfe gibt, werden Verbraucher und deren Interessenverbände den Verantwortlichen gehörig einheizen. Und ich selbst stehe dann in der vordersten Reihe.
Im Übrigen werden die "paradiesischen" Zustände für angestellte Ärzte in den Kliniken nicht so bleiben, wie sie derzeit anscheinend sind. Gibt es mal genügend Interessenten für Vakanzen, dann werden wieder gnadenlos die Hierarchien ausgespielt und die Anforderungen ans Personal "angepasst" werden.

Wenn Sie bei der Unfähigkeit der Politik und den fatalen Bedingungen und Vergaben von Zulassungen Ihre Praxen nicht "quersubventionieren" wollen, an den Ursachen der Notwendigkeit dieser Quersubventionierung aber auch nichts ändern können oder wollen, dann können Sie immer noch bestens leben, wenn Sie wenigstens Selbstzahler mit dem versorgen, was Sie für Hokuspokus halten, aber doch mindestens wie ein Placebo wirkt. Sie wissen, wovon ich spreche....!

Für das Gros des Volkes ist das freilich keine Lösung. Und schon gar nicht auf Dauer! Aber wie auch immer: der kleine Leut wird es nach einer Zeit des Umbruches, in dem wir uns m.E. momentan befinden, nicht einfach akzeptieren, wie Vieh (oder gar nicht) behandelt zu werden.


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BeitragVerfasst: 02.03.17, 12:08 
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Hallo,
"Im Übrigen werden die "paradiesischen" Zustände für angestellte Ärzte in den Kliniken nicht so bleiben"- von derartigen Zuständen kann keine Rede sein. Man hört die angestellten Ärzte allenthalben nur stöhnen ob der Arbeitsbedingungen/Belastungen.
Seit 43 Jahren lese ich das Deutsche Ärzteblatt und beziehe es immer noch. Mir ist aufgefallen, dass sich seit Jahren der Stellenmarkt extrem verschoben hat. Händeringend wird ärztliches Personal gesucht-vom Assistenzarzt bis zur Chefarztposition. 2/3 der Zeitung wird vom Stellenmarkt beherrscht, 1/3 sind medizinische Informationen. Früher war dies genau umgekehrt. Selbst Unikliniken, bei denen man zu meiner Zeit schwer eine Stelle erhielt, haben ihre hohen Ansprüche an Bewerber deutlich herabgesetzt und sind froh, die vakanten Stellen überhaupt besetzen zu können.
Bürokratie herrscht dort ebenso wie im niedergelassenen Bereich. Selbst zu meiner Zeit war es nicht " paradiesisch", immerhin mußte man als Assistent 6-8 Nachtdienst machen, ohne am nächsten Tag abfeiern zu können ( gut, damit war dann auch ein gewisses finanzielles Zubrot verbunden), als Oberarzt mußte ich- und ebenso andere Chefarztvertreter- sage und schreibe in Urlaubszeiten 15 Nachtdienste im Hintergrund absolvieren, am nächsten Tag wieder für die Abteilung präsent sein, im OP stehen, ausbilden und die Chefarztsprechstunde noch bewältigen. Das wäre heute absolut undenkbar in der Zeit der Work-Life- Balance-Zeit/ Generation und auch nicht mehr zulässig.

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BeitragVerfasst: 02.03.17, 12:55 
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Dr.med.Holger Fischer hat geschrieben:
Hallo,
"Im Übrigen werden die "paradiesischen" Zustände für angestellte Ärzte in den Kliniken nicht so bleiben"- von derartigen Zuständen kann keine Rede sein. Man hört die angestellten Ärzte allenthalben nur stöhnen ob der Arbeitsbedingungen/Belastungen.


Das glaub ich Ihnen sofort, Herr Dr. Fischer, aber PR und Humungus stellen ja immer die Tätigkeit als angestellter Arzt so hin, als wäre sie gegenüber der Tätigkeit als Niedergelassenem das reinste Sanatorium. Auch erlaube ich mir so manches Schwätzchen mit den diensttuenden ÄrztInnen, die meine Frau im Klinikum behandeln.

Ich wundere mich sowieso über so manche Äußerung bzgl. des Arbeitsaufwandes eines Selbständigen. Als ob ein selbständiger Bäcker oder Optiker eine "Tarifarbeitszeit" genießen könnte....!
Und auch für uns gibt es Dokumentationspflichten und Präqualifizierungsschikanen.


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BeitragVerfasst: 02.03.17, 15:26 
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Ich hab's 15 Jahre lang genossen. Der kleine Unterschied zwischen damals und heute: in der Klinik, in der ich knapp 8 Jahre lang war, wird (gemessen am Patientendurchsatz) das doppelte geburtshilfliche und eineinhalbfache operative Arbeitspensum heute von der viereinhalbfachen Anzahl Ärzten erledigt, darunter sechs Fachärzte. Trotzdem erzählen die Patientinnen, dass sie ihre Stationsärzte kaum zu Gesicht bekommen haben. Außer den Chefs arbeitet keiner mehr in Vollzeit. Wir waren über Jahre weg drei Assis, um uns die Nacht- und Wochenenddienste zu teilen, dazu zwei Fachärzte für den Hintergrund.

Und nochmal, gaanz einfach zum Mitdenken: ich hab fünfen der angestellten Kolleginnen meine uralteingesessene Praxis angeboten, aber keine hat sie geschenkt gegen ihren Klinikjob eintauschen wollen. Diese Verbindlichkeit tut sich keiner mehr an, in keiner Hinsicht.

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BeitragVerfasst: 02.03.17, 17:35 
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Hallo,
"Trotzdem erzählen die Patientinnen, dass sie ihre Stationsärzte kaum zu Gesicht bekommen haben. Außer den Chefs arbeitet keiner mehr in Vollzeit. Wir waren über Jahre weg drei Assis, um uns die Nacht- und Wochenenddienste zu teilen, dazu zwei Fachärzte für den Hintergrund."- ja, das kann ich bestätigen. Es hatte aber einen enormen Vorteil. Zwar war die Belastung sehr groß, aber es war eine kontinuierliche Patientenversorgung/Betreuung gegeben. Die tägliche Präsenz, ob auf der Station, im Kreißsaal oder im OP führte zu einer guten Ausbildung- neben der ständigen und selbstverständlichen Weiterbildung. Dieses auf derartige Weise angeeignete profunde Fachwissen vermisse ich heute, jedenfalls soweit ich dies in dem von mir betreuten Forum feststellen kann-ohne arrogant und besserwisserisch erscheinen zu wollen. Unser Fach wird heute von über 50 % Frauenanteil ausgeübt, die in der Tat oft Teilzeitarbeit leisten ( was auch in den Stellenausschreibungen angeboten wird). Urlaub, Kongreß, " Abfeiern" der Nachtdienste-wie kann man sich auf derartige Weise ein vertieftes Wissen aneignen! Ich bin immer wieder entsetzt über den Stellenschlüssel der Abteilungen. Vielleicht stöhnen und jammern die Klinikärzte auch nur deshalb, weil sie es nicht gewohnt und gewillt sind, hart zu arbeiten. Bei der Anzahl der Ärzte in den mir bekannten Abteilungen, an denen ich selbst tätig war, muß ich mich fragen, was sie dort den ganzen ( oder halben) Tag so treiben. Beispiel: Klinikum Esslingen: damals waren wir zwei Oberärzte und 7 Assistenten bei 90 Betten. Heute sind es 10 ( !) Oberärzte und 10 Assistenzärzte-wohlwissend, dass sich auch das Spektrum, Spezialsprechstunde etc. erweitert hat. Wir hatten uns um jede Operation fast geschlagen und dennoch einen großen OP-Katalog erreicht. Heute sind nach meinem Kenntnisstand gewisse Operationen in ihrer für den Facharzt zu erzielenden Anzahl reduziert. So kann man auch in den Ausschreibungen für Oberarztbewerber gelegentlich lesen " der Bewerber sollte Erfahrung in den gängigen Operationsverfahren haben". Er muß diese Erfahrungen schlichtweg schon vorher erworben haben- so jedenfalls meine Meinung. Es gibt heute kleine Abteilungen ( in meinem Fach), die machte früher ein Belegarzt oftmals allein. Jetzt allerdings haben sie einen Stellenschlüssel 1 Chefarzt, 2-3 Oberärzte und 4 Assistenten. Insofern scheinen in meinen Augen doch paradiesische Zustände zu herrschen, das Gejammere kommt evtl. daher, weil die Kollegen eben keine Vorstellung haben, wie bei uns " Altvorderen" die Arbeitssituation aussah. " Flache Hierarchie" lese ich im Ärzteblatt-zu meiner Zeit völlig undenkbar, Familie, Kinder?- seinerzeit eher die Ausnahme und wenn, dann gegen Ende der Facharztausbildung.

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BeitragVerfasst: 02.03.17, 20:39 
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Ich mag die so gern wie ich früher meine wenigen Kollegen gemocht hab, hab bei denen in der Klinik, mit denen ich täglich zu tun hab, wohl auch sowas zwischen Onkel- und Opastatus, die verstehn mich, ich versteh die, man arbeitet Hand in Hand.

Es ist aber eben die die Generation, die ganz überwiegend WANZ verkörpert. WANZ ist der Umfang an Engagement, den kranke Kassen ihren Mitgliedern zahlen. Zur Erinnerung: 1. Wirtschaftlich, 2. Ausreichend, 3. Notwendig, 4. Zweckmäßig. WANZ ! Keine Spur von der "guten Patientenversorgung", von der die Politiker aller Farben jetzt vor den Wahlen wieder rumschwadronieren.
Es ist WANZ, was ein Kassenmitglied verdient, einklagen kann, und heut folgerichtig auch allermeistens bloß kriegt.

Weil man die, die sich über Jahrzehnte selbst ausgebeutet haben, um mehr zu leisten, ausgestorben hat. Ich weiß, Hinz und Kunz hat drüber gespottet, wenn ich genau davor schon immer gewarnt hab, Politiker von der Esspeedee am Schlimmsten, hier in diesem Forum.

PR

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BeitragVerfasst: 03.03.17, 09:49 
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Zitat:
Vielleicht stöhnen und jammern die Klinikärzte auch nur deshalb, weil sie es nicht gewohnt und gewillt sind, hart zu arbeiten.


Da ist mit Sicherheit was dran (siehe Golfplatz-Anspruch, Tarifarbeitszeit, Gängelung etc.), obwohl ich fairerweise sagen muss, dass ich Ärzte in den Kliniken erlebt habe, die offenbar völlig verschleißfrei noch abends angetroffen werden konnten, die schon morgens die Visite durchgeführt haben. Das ist allerdings schon über 3 Jahre her, denn seitdem hatte meine bessere Hälfte dank der "Placebos" ihrer Anthroposophin keine Entzündung mehr und keine Dilatation mehr nötig.
Natürlich soll kein übermüdeter Arzt Patienten betreuen müssen, aber wer glaubt, sich als Mediziner das Geld auf besonders lockere Art verdienen zu können, hat den falschen Beruf gewählt und den Sinn der ärztlichen Berufsethik nicht begriffen.

Zitat:
Bei der Anzahl der Ärzte in den mir bekannten Abteilungen, an denen ich selbst tätig war, muß ich mich fragen, was sie dort den ganzen ( oder halben) Tag so treiben.


Ist das wirklich so? Wie erklärt sich dann die immense Zahl an Stellenofferten? Gerade den Kliniken in privater Trägerschaft unterstellt man doch hier im Forum reines Profitdenken. Was läge also für einen Betriebswirt als Klinikdirektor näher, als sein knappes Personal auszubeuten, vor allem vor dem Hintergrund, dass das Personal die Niederlassung scheut wie der Gehörnte das Weihwasser.

@PR
Wir beide haben doch berufsbedingt engen Kontakt zum "Jungvolk"..., Sie noch mehr als ich.
Haben Sie den Eindruck, dass sich der junge Patient mit schäbiger Behandlung beim und durch den Arzt abfindet, egal, ob dieser übermüdet in einer Notaufnahme schuftet oder frustriert in der eigenen Praxis dackelt?
Ich nicht!
Ich hab auch überhaupt nix gegen WANZ, ich habe allerdings etwas dagegen, dass mir ein Arzt oder eine Krankenkasse sagen möchte, was mir "auszureichen" hat oder mich womöglich überhaupt nicht behandelt.


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