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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Arzt, Moral und Medizin
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 Betreff des Beitrags: Arzt, Moral und Medizin
BeitragVerfasst: 24.01.17, 23:32 
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- ein im Zug fortschreitender Kommerzialisierung der Medizin heikel gewordener Bezug.

Stelle mit Unbehagen fest, dass Operateure zunehmend gern was Zusätzliches machen, zusätzlich zum abgesprochenen und beauftragten Eingriff, störende Hautanhängsel, Narbenkorrekturen, dringend nötige Gewebeproben, was auch immer, und das auch da, wo ich derlei Störendes oder potentiell Gefährliches vorher gar nicht entdeckt gehabt hatte im jahrzehntelangen Patientenkontakt.

Stelle mit noch viel größerem Unbehagen fest, dass Pathologen im dabei Weggeschnibbelten zunehmend häufig Pathologisches diagnostizieren - und das eben auch da, wo ich derlei Störendes oder potentiell Gefährliches vorher gar nicht entdeckt gehabt hatte.


Das ist neu. Pathologen ! Ihr Fach, Hort reiner Wissenschaft, Ursprung des letzten Worts zur Diagnose und Schlüssel zur Therapie !
Zum xtenmal kam heut nach Nebeneingriff Vulva-PE die Diagnose „Lichen sclerosus“ mit Befundbeschreibung: dysplasiefreies Plattenepithel.


Mit Grausen stell ich mir vor wie das wird, wenn es gar keine selbständigen nicht operierenden Ärzte mehr gibt sondern bloß noch weisungsgebundene angestellte operierende.

PR

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 Betreff des Beitrags: Re: Arzt, Moral und Medizin
BeitragVerfasst: 25.01.17, 10:47 
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da lief doch letztens eine Reportage dazu wie die Todeskranken auch gegen Willen der Familienangehörigen, Ehepartner etc. noch bis zu letzter Minute ihres Lebens gequält werden, mit sinnlosen OPs die keine in Frage stellen wird, wagt sich keiner. Die Frau hatte Darmkrebs oder Magenkrebs und war nicht mehr zu retten , trotzdem hat man den Darm noch entfernt, sie hat sehr gelitten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Arzt, Moral und Medizin
BeitragVerfasst: 25.01.17, 11:23 
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PR hat geschrieben:
Stelle mit Unbehagen fest, dass Operateure zunehmend gern was Zusätzliches machen, zusätzlich zum abgesprochenen und beauftragten Eingriff, störende Hautanhängsel, Narbenkorrekturen, dringend nötige Gewebeproben, was auch immer, und das auch da, wo ich derlei Störendes oder potentiell Gefährliches vorher gar nicht entdeckt gehabt hatte im jahrzehntelangen Patientenkontakt.


Das nennt Dr. Kopetsch in seiner Erhebung euphemistisch "Behandlungstiefe", die mit ein Grund dafür sein soll, dass kurative Kapazitäten trotz zunehmender Ärztezahlen fehlen.

PR hat geschrieben:
Mit Grausen stell ich mir vor wie das wird, wenn es gar keine selbständigen nicht operierenden Ärzte mehr gibt sondern bloß noch weisungsgebundene angestellte operierende.


Ist (ärztliche) "Moral" eine Frage der Selbständigkeit? Was tun Sie, wenn Ihnen ein vorgesetzter Arzt Straftaten anweist? Vorsätzliche Körperverletzung und gewerbsmäßiger Betrug (Mindeststrafe 5 Jahre) nennt man das soweit ich weiß.
Es fehlt nur an Ärzten, die genug A*sch in der Hose haben, sich zu wehren und derlei Machenschaften anzuzeigen oder als Gutachter bereit sind, auch mal gegen solche Verbrecher am Patienten und am Ruf des Ärztestandes auszusagen.
Wenn die Ärztezeitung wirklich vor Stellenangeboten geradezu platzt, hat man doch als verantwortungsbewusster und angestellter Arzt alle Trümpfe in der Hand, oder?


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 Betreff des Beitrags: Angestellte Ärzte haben Scheffs.
BeitragVerfasst: 25.01.17, 12:03 
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Unter diesen werden die smarten mittdreißiger Betriebswirtchen fortwährend wichtiger und in den Gazetten mittlerweile als "Klinikchef" angesprochen.

Diese Art Klinikchefs pflegt mit den Ärzten quartalsweise Bilanzkonferenzen abzuhalten und die Zahlen der "Controller" vorzulegen. Und dann kommen so Sprüche wie der hier von mir schon öfter zitierte:

wenn Sie nicht für mehr "kleine Frühgeborene" in Ihrer Abteilung sorgen (wahlweise mehr Laparoskopien, mehr TVTs, mehr Sakropexien, mehr Kaiserschnitte...), Herr Chefarzt, dann mach ich Ihnen die Abteilung zu !

Welchen Einfluss hat so etwas Ihrer Meinung nach auf die Moral der Beteiligten ?

PR

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BeitragVerfasst: 26.01.17, 12:50 
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PR hat geschrieben:
Unter diesen werden die smarten mittdreißiger Betriebswirtchen fortwährend wichtiger und in den Gazetten mittlerweile als "Klinikchef" angesprochen.

Diese Art Klinikchefs pflegt mit den Ärzten quartalsweise Bilanzkonferenzen abzuhalten und die Zahlen der "Controller" vorzulegen. Und dann kommen so Sprüche wie der hier von mir schon öfter zitierte:

wenn Sie nicht für mehr "kleine Frühgeborene" in Ihrer Abteilung sorgen (wahlweise mehr Laparoskopien, mehr TVTs, mehr Sakropexien, mehr Kaiserschnitte...), Herr Chefarzt, dann mach ich Ihnen die Abteilung zu !

Welchen Einfluss hat so etwas Ihrer Meinung nach auf die Moral der Beteiligten ?


Einfach schriftlich geben lassen!! Wer sich einen Rest an Berufsethik bewahrt hat, reagiert folgendermaßen: Lieber "Klinikscheff", sorg selbst für genug Frühchen! Ich verantworte es nicht, meine Ethik der Wertschöpfung zu opfern! Falls Sie noch irgendwelche Fragen haben, erreichen Sie mich ab morgen in der Klinik in der Nachbarstadt.

Glauben Sie bitte nicht, dass ich diese Entwicklung nicht kennen würde. Es gibt in meiner Branche gewisse Ketten, denen ein Kaufmann vorsteht und in dem der Optikermeister weisungsgebunden beschäftigt wird. Dort werden z.B. "Augenglasbestimmungen" nur vorgetäuscht, in Wahrheit wird lediglich die alten Gläserstärke unbedenklich soweit verändert, dass der unbedarfte Kunde von aktualisierten Werten ausgeht, die er in Wirklichkeit überhaupt nicht bekommt. Das soll Unverträglichkeiten und Beschwerden bzw. Reklamationen vermeiden helfen. Das Personal wird nachdrücklich angewiesen, Mehrfachverkäufe zu generieren.
Kollegen versuchen die zunehmenden Umsatzrückgänge durch fragwürdige "Dienstleistungen" und völlig überteuerte Pseudoinnovationen teilweise auszugleichen und macht nicht einmal davor Halt, Kindern Prismengläser zu verkaufen.

!!!Aber bei uns sind die Gehälter für angestellte Meister ins Bodenlose gefallen, weil kein Mensch mehr einen Optikermeister tatsächlich als Arbeitskraft anstellen möchte!!! Es wird lediglich sein Meistertitel benötigt, um der Meisterpräsenzpflicht nachzukommen. Ansonsten stört er mit seinem Fachwissen und seiner Moral eher.

Wohl kaum einer meiner Kollegen hätte sich auf solche Bedingungen eingelassen, wenn die Fachzeitschriften voll mit "normalen" Stellenofferten wären!!

Ich glaube auch nicht, dass ein "Klinkikscheff" mit lediglich betriebswirtschaftlicher Ausbildung einfach mit der Schließung ganzer Abteilungen drohen kann. Immerhin befinden sich die meisten Kliniken in dualer Trägerschaft, so dass die Kommunen noch ein Wörtchen mitzureden haben dürften.


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 Betreff des Beitrags: schriftlich geben lassen
BeitragVerfasst: 26.01.17, 14:54 
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In den neueren Chefarztverträgen stehen solche "Leistungsvereinbarungen" häufig von vornherein drin.

PR

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 Betreff des Beitrags: Re: schriftlich geben lassen
BeitragVerfasst: 26.01.17, 15:51 
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PR hat geschrieben:
In den neueren Chefarztverträgen stehen solche "Leistungsvereinbarungen" häufig von vornherein drin.


Mit welchem exakten Wortlaut? Haben Sie ein konkretes Beispiel?
Jedem Betriebswirt mit solchen Ansinnen und justiziablen Vertragsklauseln könnte man das Handwerk legen und ihn zumindest wegen Nötigung belangen.
Und einem Arzt, der so etwas -trotz freier Auswahl unter zig Arbeitsstellen- unterschreibt, gehört die Approbation entzogen.
Natürlich benötigt man dazu Fachleute, die die für die Rendite "zweckdienlich" gestalteten Diagnosen aufdecken, was wiederum eine wahre Dokumentation eines jeden Behandlungsfalles erfordert. Da sind wir dann wieder bei den Ärzten mit genug A*sch in der Hose....., aber schauen Sie sich nur mal an, was aus medleaks geworden ist! Man hat den Eindruck, bei den meisten Medizinern geht der Rücken direkt in die Oberschenkel über. :cry:


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 Betreff des Beitrags: ...damit in gewissen Internetforen
BeitragVerfasst: 26.01.17, 16:06 
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ein Augenoptikermeister sich mokieren kann: selber schuld, wenn Sie die Saubermannversion gewählt haben ...

Ne, die Chefarztverträge sind nicht öffentlich und ich hab noch keinen gesehen. Kenne aber ein paar Chefärzte.

PR

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 Betreff des Beitrags: Chefarztverträge
BeitragVerfasst: 26.01.17, 18:49 
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Barnie Geröllheimer hat geschrieben:
PR hat geschrieben:
Diese Art Klinikchefs pflegt mit den Ärzten quartalsweise Bilanzkonferenzen abzuhalten und die Zahlen der "Controller" vorzulegen. Und dann kommen so Sprüche wie der hier von mir schon öfter zitierte:

wenn Sie nicht für mehr "kleine Frühgeborene" in Ihrer Abteilung sorgen (wahlweise mehr Laparoskopien, mehr TVTs, mehr Sakropexien, mehr Kaiserschnitte...), Herr Chefarzt, dann .....

Einfach schriftlich geben lassen!!

Zu dieser Thematik empfehle ich die Lektüre von Meike Hemschemeier "Vorsicht Operation!" im Pantheon Verlag, Erstauflage August 2015. Dort werden diese "hübschen" Klauseln in Chefarztverträgen mehrfach erwähnt.

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Klappentext
"Warum die Kliniken operieren statt heilen

In Deutschland werden Menschen operiert, die keine Operation brauchen. Sie werden damit inakzeptablen Risiken ausgesetzt. Die Jagd auf operierbare Patienten wird öffentlich totgeschwiegen, in den Kliniken selbst aber hat sie nichts Heimliches: Sie ist methodisch, gut organisiert und Software-unterstützt. Die investigative Reporterin Meike Hemschemeier bringt ein System zum Vorschein, das Menge statt Qualität belohnt und das die deutschen Kliniken komplett befallen hat, von der Führungsebene bis zum Reinigungsteam

In kaum einem Land der Welt wird so viel operiert wie in Deutschland. Tendenz steigend. Dabei ist eine Vielzahl der Operationen unnötig und sinnlos - manche sind sogar schädlich. Operiert wird trotzdem, denn teure OPs bringen den Kliniken satte Gewinne und erfüllen ihre Businesspläne. Vorsicht Operation! seziert ein milliardenschweres, korrumpiertes System, das unsere Gesundheit wissentlich aufs Spiel setzt. Experten- und Insiderstimmen sowie geheime Dokumente bieten intime Einblicke in Krankenhäuser und Operationssäle. Meike Hemschemeier zeigt, wo eine Qualitätsdebatte zu unserem Medizinsystem ansetzen muss, um nicht nur Tausende von unnötigen Operationen zu vermeiden, sondern tatsächliche Heilung wieder zu gewährleisten."

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Ich meine bei diesen "geheimen Dokumenten" ging es um diese Chefarztverträge. Ich kann jetzt leider keinen Blick reinwerfen, da ich das Buch verliehen habe. Meines Erachtens war es sehr gut recherchiert und ab Seite 71 wurde es richtig spannend. Nach Lesen dieses Buches war ich regelrecht sprachlos. Es öffnet einem tatächlich die Augen und sollte noch viel mehr publik gemacht werden. Die Angst als Patient, was die Zukunft bringen mag, ist jedenfalls mehr als berechtigt.

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"Wer sich nur tragen lässt, lernt weder laufen noch tragen." (Kyrilla Spiecker)


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 Betreff des Beitrags: Re: Chefarztverträge
BeitragVerfasst: 26.01.17, 21:06 
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Euphemia hat geschrieben:
Zu dieser Thematik empfehle ich die Lektüre von Meike Hemschemeier "Vorsicht Operation!" im Pantheon Verlag, Erstauflage August 2015. Dort werden diese "hübschen" Klauseln in Chefarztverträgen mehrfach erwähnt.


Das schau ich mir mal an. Aber welche Quellen hat die Frau Hemschemeier genutzt und wie glaubwürdig sind sie?

Euphemia hat geschrieben:
Die Angst als Patient, was die Zukunft bringen mag, ist jedenfalls mehr als berechtigt.


Angst habe ich eher nicht, vielmehr macht sich Wut breit über die Zeitgenossen, die kalt lächelnd auch über Leichen gehen. Mich beruhigt aber, dass die letzte Instanz der Bürger ist. Und der wird sich deutlich vernehmbar zu Wort melden, wenn die Zustände mal wirklich unhaltbar werden. Unnötigen Leistungen (die ja Kosten verursachen) werden auch die Kassen einen kräftigen Riegel vorschieben wollen, was dann natürlich wieder dazu führt, dass so mancher Arzt jammern wird, weil man ihm die Kompetenzen beschneidet.

Ich habe in meinen Schreiben an die MdBs Gutting und Henke vor einer Gesundheits-AfD gewarnt. Aber wenn es hart auf hart kommt, wird es sie geben...!


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 Betreff des Beitrags: Re: Chefarztverträge
BeitragVerfasst: 09.02.17, 00:19 
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Barnie Geröllheimer hat geschrieben:
Aber welche Quellen hat die Frau Hemschemeier genutzt und wie glaubwürdig sind sie?

Selbstverständlich wurden zahlreiche Quellen aufgelistet - die ich allerdings nicht überprüft habe. :wink: Mein Buch ist zwar immer noch verliehen, aber ich hatte ganz vergessen, dass ich seinerzeit einige Stichpunkte festgehalten hatte.

Zum einen war die Autorin tagelang selbst mit im OP, natürlich nicht inkognito, da wäre sie ohne medizinische Ausbildung nicht reingekommen. Es hatte allerdings gedauert, bis eine Klinik sie reinlassen wollte.

Dann gab es – wie so oft bei heiklen Themen – Interviews mit Insidern, die ihre Namen im Buch nicht genannt wissen wollten. Dazu gehörten ein kaufmännischer Direktor eines „Grundversorger“-Krankenhauses. Der sprach von einer großen Abhängigkeit von niedergelassenen Chirurgen und Orthopäden und davon, dass man als „Grundversorger“ nicht so viele „Rosinen“ (=Gelenkersatz) abkriege. In dieser Klinik bezahle man allerdings keine Kopfprämien, das müsse man aber auch nicht, weil man das anders lösen könne.

Ein EDV-Mensch plaudert aus, dass im Kodierbüro versucht werde, das Beste – ökonomisch gesehen - aus Patienten rauszuholen. Da werde ein Krebspatient auch schon mal ein paar Male mehr als vielleicht nötig bestrahlt, weil das lukrativer sei. Das werde nicht von der medizinischen Seite [und den Folgen für den Patienten] gesehen. Und ein ehemaliger Chefarzt, der sich nach Kündigung in ein Krankenhaus nach Skandinavien abgesetzt hat, plaudert auch anonym aus dem Nähkästchen.

Zum Thema Boni zur Steigerung der Operations-Zahlen und Fehlanreizen in Chefarztverträgen äußert sich Prof. Hans Fred Weiser, der aussagt, nach Einführung des Paragraphen 136a SGB V habe sich rein gar nichts geändert, denn es gäbe weder Kontrollen noch Strafen.
Die Autorin zitiert auch aus einem solchen Vertrag, wo beispielsweise eine bestimmte Summe im Zehntausenderbereich garantiert wird, wenn die Anzahl der Primärkarzinome auf soundsoviele gesteigert wird.

Auch Dr. med. Paul Brandenburg hatte keine Scheu, seine Meinungen und Ansichten unter Nennung seines Namens kundzutun. Im Netz zu finden unter:
http://www.paulbrandenburg.com/pdf/bran ... traege.pdf Leider sind die Links aus den Jahren 2013 und 2014 zu Mediatheksbeiträgen jetzt im Jahr 2017 nicht mehr abrufbar.

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 Betreff des Beitrags: Re: Arzt, Moral und Medizin
BeitragVerfasst: 09.02.17, 13:55 
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Aufhänger oder richtiger gesagt auch ein Thema sind aufkommende Bedenken, dass Untersuchungen u. U. dazu führen können, Diagnosen und Therapien zu erstellen, die die Gefahr beinhalten, auch einen „gesunden“ Menschen zu "behandeln".
Die Möglichkeiten z. B., über Bluttests Krankheiten aufzuspüren, führen evtl. dazu, Tests rein vorsorglich anzubieten und schon ist ein Kreislauf in Gang gesetzt, der u. U. wie bei Screenings Patienten schafft, die ohne Screening keine wären.

„Der Bluttest, der Krebs voraussagt
…Die Grenze zwischen gesund und krank verwischt… "

http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/20 ... se-risiken

Frdl. Grüße
Christiane


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 Betreff des Beitrags: Wenn Gentests Therapien vorschlagen
BeitragVerfasst: 10.02.17, 00:35 
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Also ehrlich, für einen derartigen Schmonzes hatt ich DIE ZEIT bislang eigentlich für zu intelligent gehalten. Naja, ist ja wenigstens bloß die online-ZEIT...

Die Grenze zwischen gesund und krank war noch nie scharf, und sie ist vor allem Eins nicht: immer objektivierbar. Ein Mensch ist so gesund oder krank wie er sich fühlt.

Ich halts für aberwitzig, derartige Themen, ihre Bearbeitung, ihre Beforschung und gar gleich noch die zugehörige Begriffsdefinition irgendwelchen superreichen supermächtigen Technologieverkäufern zu überlassen.

Oder auch einem Medienkonzern in Privathand, wie dies im 'schland eingerissen ist.

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Zuletzt geändert von PR am 10.02.17, 01:10, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: In Lüchow-Dannenberg
BeitragVerfasst: 10.02.17, 01:10 
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hat grad ein Chefarzt meines Fachs seinen eben angetretenen Posten hingeschmissen.

Hintergrund: er hatte es aus Glaubensgründen abgelehnt, dass in seinem Verantwortungsbereich indikationslose Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden sollten.
Dies hatte politische Irritationen und Proteste ausgelöst und die Klinikleitung auf den Plan gerufen:
sie wolle ihrer Pflicht zur "Sicherstellung" von indikationslosen Schwangerschaftsabbrüchen nachkommen indem andere Fachärzte diese (im organisatorischen Rahmen der Klinik) durchführen sollten, wie wohl bisher auch schon.

Bemerkenswert an der Geschichte finde ich zweierlei:
1. dass die Geschäftsführung der Klinik schamlos argumentieren darf, der Chefarzt habe seine Überzeugung ohne Absprache mit der Geschäftsführung geäussert
2. dass die bunzreblik 'schland offenbar medizinisch ausgebildete Schergen braucht, die widerspruchslos nicht medizinisch indizierte Eingriffe vornehmen, die zwar nicht erlaubt sind aber unter bestimmten Umständen (form- und fristgerechte "gesetzliche" Beratung) nicht strafverfolgt werden (Schwangerschaftsabbruch).

KLARTEXT: wo Geschäft im Spiel ist, werden Politiker zu Kämpfern gegen ärztliche Moral.

PR

PS: allein die Verwaltungsgebühr, die kranke Kassen dafür einstreichen, dass sie dem Arzt, der einen Schwangerschaftsabbruch vornimmt, sein Honorar aus der Landeskasse weiterreichen (für die sogenannte Kostenübernahmebescheinigung), liegt deutlich über dem Honorar, das ein Facharzt für drei Monate Betreuung einer Schwangeren einstreicht, die ihre Schwangerschaft austrägt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Arzt, Moral und Medizin
BeitragVerfasst: 10.02.17, 17:38 
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PR hat geschrieben:
dass die bunzreblik 'schland offenbar medizinisch ausgebildete Schergen braucht, die widerspruchslos nicht medizinisch indizierte Eingriffe vornehmen, die zwar nicht erlaubt sind aber unter bestimmten Umständen (form- und fristgerechte "gesetzliche" Beratung) nicht strafverfolgt werden (Schwangerschaftsabbruch).

KLARTEXT: wo Geschäft im Spiel ist, werden Politiker zu Kämpfern gegen ärztliche Moral.
Und Sie glauben Ihre „ärztliche Moral“ steht über dem Gesetz und dem Selbstbestimmungsrecht der Frauen? Wie anmaßend.

PR hat geschrieben:
PS: allein die Verwaltungsgebühr, die kranke Kassen dafür einstreichen, dass sie dem Arzt, der einen Schwangerschaftsabbruch vornimmt, sein Honorar aus der Landeskasse weiterreichen (für die sogenannte Kostenübernahmebescheinigung), liegt deutlich über dem Honorar, das ein Facharzt für drei Monate Betreuung einer Schwangeren einstreicht, die ihre Schwangerschaft austrägt
Geht's also wieder nur mal um's (entgangene) Honorar... :roll:


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