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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Stirbt der selbstständig niedergelassene Arzt aus?
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BeitragVerfasst: 06.07.17, 09:37 
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Humungus hat geschrieben:
Einfach die Paragraphen lesen: versagt die KV, auf welcher Ebene auch immer, wird der Staatskommissar geschickt, der die Geschäfte regelt.


Ja, das hab ich schon verstanden! Es ist ja auch der Sinn der Sache, dass mal jemand - wenigstens kommissarisch - den Job erledigt, den die KVen nicht oder mangelhaft erledigt haben.

Der Rest Ihrer Aufzählung ist spekulativ. Wir wissen nicht, was kommissarisch mit welchen Vorgaben geregelt würde.

Aber was haben wir für eine Alternative? Weiter so bis zum ganz bitteren Ende? Der Bürger wird auf Dauer nicht tatenlos hinnehmen, dass ihm keiner hilft, wenn er mal selbst höllische Schmerzen hat.
Er wird sich aber auch eines baldigen Tages die ganzen IGeL, Kassenbeiträge, Zusatzbeiträge, Selbstbehalte, Zuzahlungen und Eigenanteile nicht mehr leisten können und die Wahl haben, entweder auf den Felgen zu kauen, per Wahlzettel ggf. extrem zu wählen (ja, auch "Kommunisten" sind dann en vogue!) und auf die Straße zu gehen um zu demonstrieren

Ich bin mir sicher..., es wird zu einer Gesundheits-AfD kommen! Vielleicht nehmen Sie die Probleme der Patienten als Arzt nicht oder anders wahr als ich, vielleicht wird bei Ihnen auch weniger vom Leder gezogen, aber die Stimmung ist zunehmend schlecht bei den Leuten. Man kann es ihnen auch nicht verübeln, dass sie sich mit den Existenzproblemen, die der Arzt haben mag, nicht herumschlagen wollen und können. Und dies ganz besonders dann nicht, wenn Ärzte ihre Wartezimmer mit Jammerplakaten tapezieren statt gegen ihre "Standesvertretungen" auf die Barrikaden zu gehen.

Und selbst wenn wirklich nichts gegen dieses verkommene System hülfe, bleibt einem Arzt immer noch der Ausstieg aus dem Vertrag mit den Kassen. Wer als kleiner Leut 25 Euro für eine IGeL-Augendruckprüfung hat, kann auch einfache GOÄ-Sätze bezahlen.


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BeitragVerfasst: 12.07.17, 15:05 
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Christianes Herz hat geschrieben:
Barnie Geröllheimer hat geschrieben:
... der gerne schon mal sein Wartezimmer mit Jammerplakaten tapeziert oder Flyer auslegt, die dem Patienten die ganze Not und Armut der Ärzte nahebringen soll, die sich wie Inhaber eines Supermarktes fühlen, in dem man sich als Kunde kostenlos bedienen dürfe (so der sinngemäße Inhalt einer "Information" bei einem hiesigen Augenarzt)

Ich habe hier noch nirgends solche "Jammerplakate gesehen, würde mir aber oft wünschen, dass den Patienten in den Wartezimmern statt Bild der Katze und Maus und Königskind etc. das deutsche Gesundheitssystem um die Ohren gehaun wird. Einfach, um mal zu verstehen, welcher Apparat dahintersteckt.
https://www.youtube.com/watch?v=BjJVm-_COy4

Frdl. Grüße
Christiane

Ich bin Ausländerin, deswegen waren für mich einige Fragen unklar. Dank diesem Video kann man das deutsche Gesundheitsystem sehr leicht verstehen, weil die Information hier ganz anschaulich ist. Vielen Dank fürs Video!


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BeitragVerfasst: 13.07.17, 11:10 
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Beiträge: 2028
Angela333 hat geschrieben:
Christianes Herz hat geschrieben:
Barnie Geröllheimer hat geschrieben:
... der gerne schon mal sein Wartezimmer mit Jammerplakaten tapeziert oder Flyer auslegt, die dem Patienten die ganze Not und Armut der Ärzte nahebringen soll, die sich wie Inhaber eines Supermarktes fühlen, in dem man sich als Kunde kostenlos bedienen dürfe (so der sinngemäße Inhalt einer "Information" bei einem hiesigen Augenarzt)

Ich habe hier noch nirgends solche "Jammerplakate gesehen, würde mir aber oft wünschen, dass den Patienten in den Wartezimmern statt Bild der Katze und Maus und Königskind etc. das deutsche Gesundheitssystem um die Ohren gehaun wird. Einfach, um mal zu verstehen, welcher Apparat dahintersteckt.
https://www.youtube.com/watch?v=BjJVm-_COy4

Frdl. Grüße
Christiane

Ich bin Ausländerin, deswegen waren für mich einige Fragen unklar. Dank diesem Video kann man das deutsche Gesundheitsystem sehr leicht verstehen, weil die Information hier ganz anschaulich ist. Vielen Dank fürs Video!


Und wir waren so stolz auf das perfekte System, weil alles so prima Hand in Hand funktionierte. Aber nun bröckelt es und bröckelt und bröckelt.
Erst wurde an der Ärzteschaft herumgemäkelt, nun haben aber alle gemerkt, dass ohne gescheite Bezahlung auch beim Gutmütigsten nur noch wenig los ist und nun bekommen es auch (endlich m. E.) de Kassen ab und werden unter Druck gesetzt:

Weil Versicherter zu wenig Einblick hat, wird er kränker als er sein müsste, wird hier via Umfrageergebnis vermittelt,
http://www.presseportal.de/pm/65649/3683590

die Pharmaseite traut sich und behauptet, die gesetzlichen Krankenkassen haben die Lieferengpässe der notwendigen Medikamente zu veranworten
https://www.vfa.de/de/presse/pressemitt ... geber.html
machen uns also auch kränker als wir es sein müssten

und Städte und Gemeinden fordern zunehmend aus dem herrschenden/künftigen Mangel an wohnortnahen Arztniederlassungen heraus einen Rechtsanspruch, wie immer der bedient werden soll. Steuerungsinstrumente durch die Politik sind gefragt, weil die Selbstverwaltungen den Bedarf nicht mehr ausreichend decken
https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode ... 91&s=Trips

Das Prinzip der Selbstverwaltung trudelt aus, könnte man meinen. Selbst Schuld könnte man ebenfalls meinen.

Frdl. Grüße
Christiane


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BeitragVerfasst: 13.07.17, 21:34 
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Beiträge: 795
Christianes Herz hat geschrieben:
Und wir waren so stolz auf das perfekte System, weil alles so prima Hand in Hand funktionierte. Aber nun bröckelt es und bröckelt und bröckelt.
Erst wurde an der Ärzteschaft herumgemäkelt, nun haben aber alle gemerkt, dass ohne gescheite Bezahlung auch beim Gutmütigsten nur noch wenig los ist und nun bekommen es auch (endlich m. E.) de Kassen ab und werden unter Druck gesetzt:...


Streng genommen hat es noch nie funktioniert, aber das waren eben die 6/7tel des Eisberges, die sich unter der Wasseroberfläche befinden.
Nur beispielhaft: Die Einflussnahme auf Politiker und den g-BA durch Pharmalobbyisten, die Regelung, dass Ärzte mittels ihrer (u.U. nicht uneigennützigen) Diagnose Leistungspflicht und hohe Kosten für die gesetzlichen Kassen ausgelöst haben, die Planungsbezirke und die Niederlassungsregelungen waren eigentlich schon immer Baustellen.

Aber man hat all das nicht bemerkt. Auch wir Optiker wurden jährlich mit neuen Kassenanteilen beglückt, die bis '88 stets höher waren als die des Vorjahres. Ich erinnere mich noch gut an die Mahnung unseres damaligen Innungsobermeisters, die Freiheiten mit den Reparatur- und Berechtigungsscheinen, die die Kassen uns Leistungserbringer eingeräumt haben, nicht zu missbrauchen. Selbstverständlich haben nicht nur die Optiker in die Vollen gegriffen, sondern jeder im System, dem sich die Möglichkeit bot.
Ich selbst nehme mich nicht aus, allerdings halte ich mir zugute, die Zusammenhänge damals nicht begriffen zu haben.
Nun haben wir alle die Quittung. Das Gesundheitswesen ist in der alten Form, der hier nachgetrauert wird, schon längst nicht mehr zu finanzieren! Punkt! Jeder außer den niedergelassenen Ärzten musste das zur Kenntnis nehmen. Dass es den Allgemeinärzten nicht ebenso ging wie uns Optikern, liegt einzig und allein daran, dass man die bessere Lobby und die einflussreichere Standesvertretung hat.

Ärzte sollten einfach mal zur Kenntnis nehmen, dass erstens nicht jeder (Pseudo-)Fortschritt in der Medizin der breiten Masse angeboten werden kann, dass zweitens durch den demografischen Wandel viel höhere Kosten pro Patient(!) entstehen als vor 30 Jahren, dass offensichtlich der Zeitpunkt verpennt wurde, dem sauteuren Selbstverwaltungswasserkopf die rote Karte zu zeigen, den man ja schon viele Jahre zuvor auch finanziert hat und nicht zuletzt, dass der Patient heutzutage neben dem, was seine Krankenkasse für ihn ausgeben kann, nochmals mehr als das Doppelte ausgibt/ausgeben muss, um vernünftig medizinisch behandelt zu werden, ob es IGeL, Zuzahlungen, der Heilpraktiker oder sonst sind, was unser tolles System heute dem kranken Menschen nicht mehr bezahlen kann.
Das bringt die Leute an die Grenze dessen, was sie aufbringen können, aber bei den behandelnden Ärzten kommt kaum was an. Die Haltung "Du zahlst mich oder ich behandle dich nicht" muss scheitern, denn der Patient hat ein Recht auf eine Behandlung. Dass dieses Recht mehr und mehr ausgehöhlt wird, wird zum Bumerang für Ärzte und Politiker.

Also wie kann die Lösung aussehen?

Es ist super einfach: Ärzte als kommunale Angestellte in gemeindeeigenen Praxen anstellen. Fertig.
Kein unternehmerisches Risiko, geregelt Arbeitszeiten und vollen Urlaubsanspruch.
Den g-BA und den ganzen Selbsverwaltungssche!ß kann man abschaffen und das Geld, das diese Läden gekostet haben, denen zugute kommen zu lassen, die effektiv am Patienten arbeiten. Den Ärzten, den Pflegern, den Optikern und den Hebammen.


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BeitragVerfasst: 13.07.17, 22:21 
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Bravo bravissimo ! Genau so wird's kommen und die kranken Kassen vollends sprengen.

Gucken Sie ab und an mal in die online-Badische Zeitung und geben dort als Suchtext "Maulburg" ein. Das ist der Ort, an dem mich ein gesundbrunnen auf einer Kreisdelegiertenkonferenz der SPD von ihrer Inkompetenz und Verschlagenheit vollends überzeugt hat. Dem Ort ist grad der letzte Hausarzt abhanden gekommen, man sagt, von eigener Hand. Der Ort möcht jetzt den mittsiebziger Vorgänger desselben von irgendwem wieder anstellen lassen. Und der Redaktör versteht nicht, wieso nicht stattdessen das medizinische Jungvolk ins mittlere Wiesental strömt, wo es da doch für Hausärzte 180 Kilo Euro einzusacken gibt im Jahr, "Reinertrag".
Ich bin gespannt was passiert, wenn eine kleine Landgemeinde merkt, was es kostet, einem Arzt einen vorschriftsmäßigen Arbeitsplatz hinzustellen und ein Tarifgehalt zu zahlen. Ich glaub: nix.

Daß Kassenärzte noch nie rechnen konnten und ihren Patienten massenhaft vorschriftsmäßige Arbeitsplätze hingestellt haben, mag ja noch an gegangen sein.

Aber dass badenwürttembergische Gemeindekämmerer oder gar "Investoren" nicht rechnen können - das Märchen soll man mal lieber nicht erzählen.

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BeitragVerfasst: 14.07.17, 09:02 
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Ich kenne die Infrastruktur von Maulburg mit 4300 Einwohnern nicht, kann also dazu nichts sagen.

Saugt sich der "Redaktör" die 180K € aus den Fingern?

Was ist ein "Reinertrag" bei einem Angestellten?

Welches "Tarifgehalt" steht denn einem kommunal angestellten Allgemeinarzt zu?

Warum sollte sich bei der Dringlichkeit der Niederlassung eines Arztes empfehlen, lieber in Hallenbäder und Turnhallen zu investieren? Da der Arzt auch für umliegende (noch kleinere) Dörfer zuständig ist, sind auch - wie vom Land BaWü - Zuschüsse zu den Kosten zu erwarten.

Warum sollte ein junger Allgemeinmediziner die Hierarchie eines Klinikbetriebes bzw. das Risiko einer Selbständigkeit vorziehen, wenn er mehr oder minder autark als Gemeindearzt tätig sein könnte?

Welche Alternative bietet sich?


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 Betreff des Beitrags: Autark als Gemeindearzt
BeitragVerfasst: 14.07.17, 12:54 
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Jetzt muss - Erbsen, Bohnen, Linsen - mein Popo aber ziemlich häßlich grinsen !

Als autarkem Angestelltem kann ihm egal sein, wo sein Geld herkommt, richtig ?
Er macht einfach bloß Menschenmedizin, wie er sie mal gelernt hat und für richtig hält, richtig ?
Er hält zu seinen Patienten und ver-sorgt sie ärztlich gut, richtig ?
Nix WANZ, nix Budget, nix Verordnungsregress, richtig ?

Was, glauben Sie, sagen die kranken Kassen da zum Arbeitgeber ?
Was, glauben Sie, macht der dann ?

PR

PS: nirgendwo im 'schland haben übrigens die Oberbuchhalter der Kliniken, in der Presse gern als "Klinikchef" vorgestellt, mehr Problem, ihre Pflichtplanstellen bei Ärzten und qualifiziertem Pflegepersonal besetzt zu kriegen, als hierorts. Soviel zu den Alternativen.

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BeitragVerfasst: 14.07.17, 17:17 
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Zitat:
nirgendwo im 'schland haben übrigens die Oberbuchhalter der Kliniken, in der Presse gern als "Klinikchef" vorgestellt, mehr Problem, ihre Pflichtplanstellen bei Ärzten und qualifiziertem Pflegepersonal besetzt zu kriegen, als hierorts. Soviel zu den Alternativen.


Nochmals: Das wird sich ändern. Nicht in 2, nicht in 3 Jahren, aber auf absehbare Zeit.
Bis dahin hat - wie es auch in Ihrem verlinkten Bericht der Baden-Online-Zeitung steht - die KV den Sicherstellungsauftrag und es muss niemanden von außerhalb interessieren, wie sie das gebacken bekommt, dass dort ein Arzt seine Arbeit tut.

Zitat:
Nix WANZ, nix Budget, nix Verordnungsregress, richtig ?


Nein, es gilt das SGB V. Warum auch sollte WANZ nicht gelten? Oder die Budget-Regelung?
Meine Mitarbeiter hatten stets die Freiheit, Kulanzen zu gewähren oder auch mal Dienstleistungen zu verschenken, um den Kunden zufrieden zustellen. Hat eigentlich auch immer funktioniert!

Wer aber damit trotz Ermahnung und ggf. Abmahnung damit 'rumaast, wird halt ausgetauscht. Sowas könnte ich mir auch bei einem "übermotivierten" Arzt vorstellen!

Das wird doch auch bei Ihren "Buchhaltern" nicht anders sein, oder?! Gerade da zählt doch nur die Rendite!


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 Betreff des Beitrags: also vom autarken Gemeindearzt
BeitragVerfasst: 14.07.17, 18:57 
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zum doppelt und dreifach weisungsgebundenen Patienten-Gemeinde-Kassenknecht -
wobei die Gemeinde durchaus widersprechende Signale abgeben wird - einmal als Garant gegenüber der Gemeinde, und einmal als Vertragspartner der KV oder Kassen.

Mir fehlt da der Unterschied zum heutigen Kassenar$cht und damit jedes Motiv für wenauchimmer, sich auf dieses Experiment einzulassen.

Nönö. Ich hab ganz viele Leute drauf angespitzt, es im Auge zu behalten.

PR

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BeitragVerfasst: 15.07.17, 23:56 
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Mich "erschreckt" überhaupt die Idee, einen Rechtsanspruch auf Arzt auf das Tablett zu heben, parallel dazu den Sicherstellungsauftrag (für mich mittlerweile zum Unwort geworden) nicht bzgl. Verantwortung in Frage zu stellen und somit die (künftige) Ärztegeneration als Verfügungsmasse zu betrachten, obwohl sie in der Substanz gar nicht mehr vorhanden ist. Ich hätte mit dergleichen Engstirnigkeit der nachwachsenden Politiker nicht mehr gerechnet. Oder Schubladen- oder Scheuklappendenken.

Frdl. Grüße
Christiane


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BeitragVerfasst: 16.07.17, 00:19 
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die sich selber als (oberste) Diener ihres Staates sehen und benehmen. Aber die Ideologie der "Verfügungsmasse" ist sicherlich weit verbreitet. Ansonsten hat die Gesundheits-Politik die Hosen randvoll, da können gar keine Konzepte mehr herkommen die mit einer FDGO (weiß noch wer, was das mal war und wie es verteidigt worden ist ?) noch entfernt zu tun haben. Man hat das Problem delegiert, an den GBA, an die Körperschaften, und damit juck.

Alles unterhalb ist das Werk der komplett übergeschnappten Funktionärskaste in den Körperschaften, der der Erhalt des Systems und damit des eigenen Gesäßes über alles geht. Der südbadische "Zulassungsausschuss" hat mir das grad wieder eindrucksvoll demonstriert. In der Sitzung Ende Mai gings in der Hauptsache drum zu verschleiern, wer die Entscheidung, so, wie sie getroffen worden ist, herbeigeführt hat. Uns wurde erklärt, die Übergabe meiner Praxis an Kollegen 5 km Luftlinie ostwärts sei vom Gesetzgeber nicht gewollt und könne nicht genehmigt werden. Ich hab gefragt, wann ich den Bescheid schriftlich krieg, es hieß: das kann Monate dauern. Hab den Bescheid schriftlich und eilig angefordert, es kam nix. Hab den Bescheid angemahnt, Brief nachrichtlich Regionalpresse. Nach zwei Tagen war der Bescheid da: Ihrem Antrag ist zugestimmt worden, Sie dürfen Ihre Zulassung abgeben, ein geeigneter Nachfolger konnte nicht gefunden worden. Das Ganze mit drei Seiten Paragraphenzitaten garniert, die kein gradaus denkender Mensch jemals verstehen kann, und ein um die Ecken denkender auch nicht.

Nönö, das Schweinesystem ist am Ende, je früher es sich selber die Basis entzieht, desto besser.

PR

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BeitragVerfasst: 16.07.17, 09:07 
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@PR
Ihre Statements laufen immer wieder darauf hinaus, dass Sie glauben, Ihre Forderungen kompromisslos durchsetzen zu müssen, ansonsten outen sich Verantwortliche als Nieten, ansonsten behandeln Sie halt Patientinnen nicht.
Schließlich haben Sie ja lang genug für'n Appel und 'n Ei den Kassen@rsch gemacht und sind jetzt gerade mal so aus den Miesen.... !

Was glauben Sie, geht es Ihren Patienten? Leben die in Saus und Braus? Haben die nichts Besseres zu tun, als jährlich 4 Wochen in Urlaub zu fahren und das Geld dafür beim Frauenarzt einzusparen??
So sehr wir Ärzte benötigen und auf deren verantwortungsbewusste und verlässliche Arbeit angewiesen sind....., wir Patienten müssen uns nicht erpressen lassen!
Ärzte genießen immer noch viele Privilegien, haben überdurchschnittliche Einkommen, da kann man erwarten, dass auch mehr geleistet wird.

Ich warte immer noch auf verschiedenste Antworten von Ihnen, z.B., wie Sie sich die "Pleite" des Speyerer Arztes erklären, der seine Kassenzulassung zurückgab, z.B. auf Vorschläge, wie man unter heutigen Gegebenheiten die ärztliche Versorgung (auch der Landbevölkerung) sicherstellt und wie man das finanziert. Ich warte noch heute auf eine Antwort darauf, welche Wünsche für die erlauchten Damen und Herren Ärzte erfüllt werden müssen, damit sich jemand auf's Land begibt (womit ich nicht jedes Dreckskaff meine!).

Sie finden nur immer wieder ein Haar in jedweder Suppe und es macht keinen Spaß mehr, sich ständig anzuhören, wie inkompetent doch alle außer Ihnen sind. Sie schlagen den Sack und meinen den Esel. Nur den Esel schlagen Sie lieber nicht, denn der könnte ja ausschlagen!

Sie haben 's ja nun bald hinter sich und können amüsiert aus dem Ruhestand zusehen, wie sich Ihre "Leidensgenossen" um die Praxen in den Speckgürteln oder der Anstellung in einer Klinik kloppen. Aber verlassen Sie sich d'rauf (und da interviewen Sie mal die "Inkompetenzler" in Ihrer alten Partei):

Man wird Wege finden, die Landbevölkerung ärztlich zu versorgen, ohne den Damen und Herren Mediziner bis zum Pförtner Zucker in den Hintern zu blasen!

Art.2 des GG sichert dem Bürger ein recht auf körperliche Unversehrtheit zu. Das impliziert die Versorgung durch Ärzte. Punkt.
Entweder, Sie akzeptieren einen Kontrahierungszwang oder Sie akzeptieren einen Fachkollegen nebenan, der für fixes Geld die Patientinnen betreut, die Sie nicht (zeitnah) behandeln wollen.


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BeitragVerfasst: 16.07.17, 13:07 
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vollkommen vorbei.

Ich hab keine Forderungen und kann drum auch keine durchsetzen. Mein Kleingewerbe wird am 01.10. einfach beendet, sein „ideeller Wert“ ist null, was an Material rumsteht wer‘ ich versuchen für 20 Kilo €uro zu liquidieren. Hernach sitze ich auf 15.000 Patientinnenakten (minus etwa zwei, dreihundert, die hab ich bereits gegen Unterschrift abgegeben) und muss sie 10 Jahre verfügbar halten. Glücklicher Weise hab ich in den frühen Neunzigern den Rat der KV nicht befolgt, sondern meine Lebensversicherung bis zu Laufzeitende bedient, so konnte ich vor gut zwei Jahren meine Praxisschulden komplett ablösen. Und mich nicht drauf verlassen, dass stimmt, was mir die KV damals gesagt hatte: „wenn Sie mal aufhören, haben Sie dann ja eine Praxis zu verkaufen“.

Wie es meinen Patientinnen geht, weiß ich sehr gut. Die, die eine kontinuierliche fachärztliche Begleitung lebensnotwendig brauchen, das sind so eineinhalbtausend Krebspatientinnen, hab ich eben meinen Fachkolleginnen im Landkreis wärmstens anempfohlen. Über diese verfügen kann und will ich nicht. Allen geb ich im Übrigen die Adresse einer Redakteurin, die Fälle sammeln und veröffentlichen will, wo das kreisweit nicht klappt mit der Weiterbetreuung. Mehr ist aber auch nicht drin, wie immer bei Kassens. Wo da eine Erpressung sein soll, kann ich nicht erkennen.

Die Wünsche der erlauchten Damen (und Herren) Ärzte sind heute dieselben wie immer und bei allen: Zukunftssicherheit durch verlässliche Arbeitsbedingungen. Die sind heute für die meisten meiner jungen Kolleginnen nicht mehr erfüllt, sobald sie sich in ein „selbständiges“ setting begeben. Drum bleiben sie, wo sie sind: in den Kliniken. Deren Oberbuchhalter (vulgo: Klinikscheff) müssen sich, gerade hier in der Gegend, ganz schön viel einfallen lassen, um sie überhaupt zu kriegen und zu halten. Dass sich da wer um Anstellungen kloppen müsste, davon war gestern Abend nicht die Rede, als ich mit zwei aktuellen und einem gewesenen Chefarzt zusammensaß. Vielmehr von Personalproblem: von 14 Assistenz- und Oberärztinnen sind grad vier wieder Guter Hoffnung.

Wären Sie eventuell bereit, hier einen Vorschlag zu erkennen, wie man unter heutigen Gegebenheiten auch die ambulante die ärztliche Versorgung (auch der Landbevölkerung) sicherstellt ? Achsoja: hat der Kollege in Speyer Ihnen inzwischen mal seine Einnahmen-Überschussrechnung vorgelegt ?

Achja, das Grundgesetz, gell ? Das steht leider einsam und verlassen neben dem Sozialgesetzbuch Nummer Fünnef, und es ist weit und breit kein Politiker zu erkennen, der die beiden endlich in Einklang zu bringen imstande oder auch bloß willens wäre.

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BeitragVerfasst: 16.07.17, 14:56 
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Beiträge: 2028
KBV im Mai d. J.: Strukturwandel gemeinsam bewältigen: Acht-Punkte-Programm
http://www.kbv.de/html/29056.php
„Die Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Strukturwandel ist, dass die Sicherstellung der ambulanten ärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung weiterhin nach den Prinzipien der freiberuflichen Berufsausübung erfolgt – und zwar auf der Basis einer funktionierenden Selbstverwaltung, vornehmlich in inhabergeführten Praxisstrukturen der Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten.“

Es ist also ausdrücklich gewünscht, auf den alten Strukturen die künftige Versorgung sicherstellen zu lassen. Dann muss man die Honorierung der Niedergelassenen endlich auch so anheben, dass sie „inhabergeführte Praxisstrukturen“ nach Kassenvertrag bilden können. Man kann nicht ewig das eine fordern, aber nicht bezahlen. Und vor allen Dingen, wenn es keine Inhaber mehr gibt, weil unterbezahlt, fällt diese Struktur schon mal weg. Wie heißt es? Eierlegende …?

Mag jemand von Ihnen/Euch etwas zum Klageverfahren wegen nicht angepasster Honorierung sagen? Wie weit das gediehen ist.

Frdl. Grüße
Christiane


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 Betreff des Beitrags: Ausdrücklich gewünscht ist
BeitragVerfasst: 16.07.17, 15:46 
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vom ondulierten Schreibtischorthopäden der Erhalt seiner Sitzfläche. Dafür klopft er auch schon mal Sprüche, gibt Hochglanzbroschüren raus und beklebt Buswartehäuschen.

Sein mit Schimpf & Schand & viel viel von meinem Geld gesschasster Vorgänger hatte da deutlichere Worte gefunden: "Ich kann nicht alle Ärzte gleich lieb haben".

Ich weiß nichts von einem Klageverfahren wegen nicht angepasster Honorierung.

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