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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Auswirkungen des Demographischen Wandels auf das Gesundheits
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BeitragVerfasst: 15.12.11, 00:27 
zerlina hat geschrieben:
Wie soll der Topf denn wachsen, wenn immer mehr aus der Solidarität entlassen werden um sie im Bedarfsfall wieder aufzunehmen oder mit Steuergeldern zu subventionieren?


Das versteh ich jetzt nicht. Wie meinen Sie das?

Dr. A. Flaccus hat geschrieben:
Die Lösung des Problems ist subtiler umgesetzt worden:
Kassen geben Summe X an die KV.
Kasse sagt der KV: Macht damit was ihr wollt - nur müßt Ihr damit bis zum 31.12. auskommen.
Mehr gibt´s nicht.
Und schon hat die KV den "schwarzen Peter".
So verteilt die KV "Regelleistungsvolumina" und sagt den Ärzten:
Macht damit was ihr wollt - nur müßt Ihr damit bis zum 31.12. auskommen.
Und schon hat der Arzt den "schwarzen Peter"...
Letztlich fordert die KV das Geld zurück.
Der Kasse ist das völlig egal - die gibt eh´nicht mehr Geld in den Topf und kann deshalb jedem Patienten sagen:

"Wir haben unsere Pflicht erfüllt, und brav Geld in den Topf getan. Davon müßten Sie alle Leistungen erhalten, die der Arzt für notwendig hält. So ist der Vertrag."


Ich weiß, das nennt sich dann "schuldbefreiende Wirkung". Eine Sauerei ist das!
Aber das ist ja die Krux an der ganzen Geschichte, dass das eine Fiasko das andere bedingt, weshalb ich für den Abriss des Augiasstalles und für einen Neubau bin.
Allerdings muss man den Kassen zugestehen, dass auch sie um ihr Geld kämpfen müssen, das sich ja zunächst im großen Topf namens Gesundheitsfond befindet.
Ich gehe davon aus, dass die Verteilungsmodalitäten bekannt sind, oder?

Ich bin der festen Überzeugung, dass der ganze Komplex Gesundheitswesen nur mit sozialistischen Methoden angegangen werden kann, wenn er gerecht sein und den Grundrechten entsprechen soll, denn sobald Märkte entstehen, entsteht Kommerz, die Macht der Reicheren und letztendlich Korruption.

@Humungus

Zitat:
Bei PR wohl kaum...bei mir siehts anders aus.


Ich weiß nicht, was PR macht...

Zitat:
was sind die Parameter, die unsere "ethischen Entscheidungen" lenken sollen?
- Das Geld? Wollen wir der Oma etwas verweigern (es kann auch gerne eine Sehhilfe sein), weil "nicht genug Geld da ist"?
- Das Alter? Gibt es dann Pauschalleistungen je nach Altersklasse?
- die demographische Situation? Statistik sagt, im letzten Jahr haben 1,2 % mehr Leute gearbeitet und eingezahlt, also gibts 1,2 % mehr?


Zum Geld: Das wird nicht ausbleiben können, wenn man nicht genau die Zustände akzeptieren kann, die wir heute haben. Das Geld muss dann für alle notwendigen Behandlungen reichen, selbst wenn die einzelne Behandlung nur noch mit Peanuts (oder gar nicht mehr) entlohnt wird

Zum Alter: Wir brauchen gar nicht über Pauschalleistungen reden. Es wird schon sehr bald die Frage auftauchen, wem wir die als Transplantat zur Verfügung stehende Leber gönnen. Es wird sich die Frage stellen, ob wir das sauteure und deshalb rare Gerät XY für einen höchstbetagten Opa verwenden oder für den Familienvater mit 45 Jahren. Schon heute muss meine privat versicherte Frau im Städtischen Klinikum mit Wartezeiten rechnen, wenn man mal wieder ihren Darm untersuchen will.

Die demografische Situation könnte allenfalls im Kriegs- oder Epidemiefalle nennenswert und kurzfristig relevant werden oder wenn man durch eine bahnbrechende Erfindung den Kostenaufwand spürbar reduzieren könnte, ansonsten müsste man in Zeiträumen von Generationen denken.

Zitat:
Und die Frage, die ich mir stelle, ist: sollen wir das Geld tatsächlich als Anlass nehmen, um über Ethik nachzudenken?


Es wird nichts anderes übrigbleiben.

Zitat:
Oder ist es an der Zeit, das, was Ärzte täglich mit ihren Patienten entscheiden (nämlich dass man etwas tut oder auch lässt), öffentlich zu diskutieren? Und mal als advocatus diaboli gesagt: haben wir das eigentlich nötig, oder läuft das schon längst?


Sie meinen die Behandlungsweisen bei Ihren Patienten? Naja, wenn Sie einzelvertragliche Abmachungen treffen und der Patient selbst bezahlt, wird Ihre einvernehmliche Abmachung niemand interessieren.
Aber wenn eben Dritten in die Tasche gegriffen werden muss, dann finde ich es nicht mehr als recht und billig, darüber auch Rechenschaft ablegen zu müssen.


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BeitragVerfasst: 15.12.11, 07:40 
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Morgan le Fay hat geschrieben:
Ich bin der festen Überzeugung, dass der ganze Komplex Gesundheitswesen nur mit sozialistischen Methoden angegangen werden kann, wenn er gerecht sein und den Grundrechten entsprechen soll, denn sobald Märkte entstehen, entsteht Kommerz, die Macht der Reicheren und letztendlich Korruption.
Dann zeigen Sie mir ein einziges sozialistisches System, das gerecht ist. In erster Linie profitieren nämlich diejenigen vom Sozialismus, die selber am Ruder sitzen. Fragen Sie doch mal, wie das in der DDR war, mit der guten Versorgung: Dreiklassenmedizin (Politbüro, Stasi, "einfaches Volk"), abends Privatbehandlung - von anderen Ländern ganz zu schweigen.

Zitat:
Zum Geld: Das wird nicht ausbleiben können, wenn man nicht genau die Zustände akzeptieren kann, die wir heute haben. Das Geld muss dann für alle notwendigen Behandlungen reichen, selbst wenn die einzelne Behandlung nur noch mit Peanuts (oder gar nicht mehr) entlohnt wird

(...)

Es wird sich die Frage stellen, ob wir das sauteure und deshalb rare Gerät XY für einen höchstbetagten Opa verwenden oder für den Familienvater mit 45 Jahren.

(...)

Sie meinen die Behandlungsweisen bei Ihren Patienten? Naja, wenn Sie einzelvertragliche Abmachungen treffen und der Patient selbst bezahlt, wird Ihre einvernehmliche Abmachung niemand interessieren.
Aber wenn eben Dritten in die Tasche gegriffen werden muss, dann finde ich es nicht mehr als recht und billig, darüber auch Rechenschaft ablegen zu müssen.
Ich habe Ihre Sätze mal zusammengefasst, um sie als Ganzes wirken zu lassen. Sie stammen von jemandem, der sich bitter darüber beschwert, dass nicht jede alte Dame eine vergrößernde Sehhilfe kriegt, wenn sie ihr helfen würde, und der sich über die unsägliche IGeLei ärgert.

Merken Sie, dass Sie wieder Wasser predigen, aber für sich selber Wein verlangen?

- Ärztehonorare sollten herunter bis auf null, wenns nicht anders geht. (aber die Versorgung soll gefälligst "angemessen" sein)
- Geräte und Untersuchungen und Therapien sind dann altersbudgetiert (aber bitte nicht bei der vergrößernden Sehhilfe!)
- Einzelverträge sind Sache des Arztes (aber doch bitte nicht IGeLn....)

Ich kann Ihnen sagen, wie diese enorme Diskrepanz zustandekommt: überall dort, wo Sie persönlichen Einblick haben, sehen Sie die Not und den Verzicht der Patienten und verlangen strikt Nachbesserung. "Woanders" kann man es ruhig hernehmen. So gehts nicht. In Ihrem Rationierungssystem gibts gar keine vergrößernden Sehhilfen mehr, weils auch ohne geht. Muss ja nicht jeder lesen können - das Geld?! Wir haben die Rationierung schon, und sie schmeckt Ihnen nicht. Sie wird aber noch wesentlich härter werden, wenn man diesen Weg tatsächlich gehen will.

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BeitragVerfasst: 15.12.11, 08:49 
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Zitat:
zerlina hat geschrieben: Wie soll der Topf denn wachsen, wenn immer mehr aus der Solidarität entlassen werden um sie im Bedarfsfall wieder aufzunehmen oder mit Steuergeldern zu subventionieren?
Morga le Fay hat geschrieben:
Das versteh ich jetzt nicht. Wie meinen Sie das?
Seit Jahresbeginn können gut verdienende Versicherte wesentlich leichter in die PKV wechseln. Inzwischen reicht ein einmaliges Überschreiten der Jahreseinkommensgrenze. Die PKV berichtet von 20 % Zuwachs. Das geht zu Lasten der GKV. Gesunde zahlungskräftige Versicherte wandern in die PKV ab. Alte, kranke und einkommensschwache Versicherte verbleiben in der GKV. Damit wird das Solidarprinzip ausgehebelt.

Unter bestimmten Bedingungen können 'Bedürftige' wieder in die GKV zurückkehren. Ist dies nicht der Fall zahlt das Sozialamt und zwar mehr als für Bedürftige bei der GKV bezahlt wird.


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BeitragVerfasst: 15.12.11, 09:56 
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zerlina hat geschrieben:
Damit wird das Solidarprinzip ausgehebelt.

Sie verwechseln m.E. Solidarität mit Sozialismus. Solidarität ist freiwillig. Was Sie wollen ist Zwang mit "Z" wie Zone.

Das jetzige System ist voller Fehlanreize, Parallelstrukturen, Verschwendung und Bürokratie. Das dient Funktionären mehr als den Patienten.

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Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
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BeitragVerfasst: 15.12.11, 11:41 
@Humungus
Sie haben mich missverstanden.
Sie wollten in Ihrem Beitrag wissen, woran man ethische Grundsätze knüpfen solle und haben zur Auswahl gestellt:
Geld, Alter oder Demografie

und ich habe in meiner Antwort lediglich Szenarien aufzeigen wollen, was die jeweilige Alternative mit sich brächte.
Ich habe nie verlangt, dass Ärzteeinkommen auf Null reduziert werden sollen. Ich bitte darum, zu zeigen, wo ich das geschrieben haben soll.
Im Gegenteil, ich bin stets für eine der Verantwortung entsprechende Entlohnung der Ärzte eingetreten, aber ich lehne einen Selbstbedienungsladen ab. Das ist ein gravierender Unterschied.

De facto haben wir dann einen Selbstbedienungsladen, wenn

a) der Arzt anhand der Diagnose eine Therapie vorschlagen darf, die die Kassen (und damit die Gemeinschaft der Versicherten) ohne zu murren zahlen sollen, denn das führt unweigerlich zu immensem Kostenanstieg und Missbrauch.
Ansonsten wird vielleicht jedem eine Fernrohrlupenbrille verschrieben, die womöglich gar nicht nötig ist. :wink:
Übrigens eine Anmerkung an dieser Stelle, weil es mir gerade einfällt: Meine Schwiegermutter bekommt nach einer Brust-Amputation und Chemo zwei "Zweitfrisuren" vulgo "Perücken" bezahlt, aber eine Brille für Leute, die noch nicht einmal "10%" Sehkraft haben, gibt es nicht. Das ist in meinen Augen pervers. Wo ist denn da eine Verhältnismäßigkeit?
b) der Arzt seine subjektive Zufriedenheit über seine Entlohnung zur Voraussetzung machen kann, Patienten morgen zu behandeln, in 6 Monaten zu behandeln oder überhaupt nicht zu behandeln.

Beispiele aus der DDR, China oder Russland schaue ich mir überhaupt nicht an, da sie mich nicht interessieren.
Mir ist es "sozialistisch" genug, wenn Patientenvertretungen über ihr Geld und die Geschicke im Gesundheitswesen mitbestimmen können, mehr möchte ich gar nicht.
Warum sollte das nicht möglich sein? Ihre Angst davor ist mir ein Rätsel.

@zerlina
Ach so, okay, das werden aber nicht Millionen von Menschen sein, die von der PKV in die GKV wechseln können. Und wenn, dann müssen die doch meines Wissen die Beiträge der letzten 4 Jahre (?) nachbezahlen, oder? Außerdem verlieren sie ihre Altersrückstellungen.

Klar, sie haben womöglich jahrelang nichts in die Solidarkasse einbezahlt, das stimmt natürlich. Aber ich glaube, bei einem Volumen von rund 280 Milliarden Euro, die jährlich im Gesundheitswesen von den Bürgern aufgebracht werden, ist das nicht wirklich relevant.
Sollte ich mich irren, lerne ich gerne dazu und würde mich über einen Link freuen

Nachtrag: Ich glaube aber auch, dass die PKV in der Form, wie wir sie heute kennen, nicht überleben wird.


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BeitragVerfasst: 15.12.11, 11:50 
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Beiträge: 4696
Morgan le Fay hat geschrieben:
Ich habe nie verlangt, dass Ärzteeinkommen auf Null reduziert werden sollen. Ich bitte darum, zu zeigen, wo ich das geschrieben haben soll.

Zitat:
Das Geld muss dann für alle notwendigen Behandlungen reichen, selbst wenn die einzelne Behandlung nur noch mit Peanuts (oder gar nicht mehr) entlohnt wird


Zitat:
a) der Arzt anhand der Diagnose eine Therapie vorschlagen darf, die die Kassen (und damit die Gemeinschaft der Versicherten) ohne zu murren zahlen sollen, denn das führt unweigerlich zu immensem Kostenanstieg und Missbrauch.
Der Arzt ist längst nicht mehr frei in der Therapie. Sie ärgern sich doch, dass nicht mehr vergrößernde Sehhilfen verordnet werden. Sie ärgern sich auch, dass (wie gesetzlich vorgeschrieben!) ein Arzt eine vergrößernde Sehhilfe selber anpassen muss und dem Optiker nicht mehr glauben darf. Der "immense Kostenanstieg und Missbrauch" geht Ihnen in Ihrem Fach noch nicht weit genug.

Sie sind noch immer in Ihrer eigenen Argumentation gefangen!

Zitat:
...eine Brille für Leute, die noch nicht einmal "10%" Sehkraft haben, gibt es nicht.
Wieso nicht? Das ist in den HHMR eindeutig festgelegt. Und auch, unter welchen Umständen vergrößernde Sehhilfen bezuschusst werden.

Zitat:
...b) der Arzt seine subjektive Zufriedenheit über seine Entlohnung zur Voraussetzung machen kann, Patienten morgen zu behandeln, in 6 Monaten zu behandeln oder überhaupt nicht zu behandeln.
Die langen Wartezeiten hängen nicht damit zusammen, sondern damit, dass der Arzt budgetiet ist und schlicht nicht mehr Geld kriegt.

Nochmal: wenn Sie ab Dezember Ihre Brillen umsonst herausgeben müssten - würden Sie es tun? Oder doch lieber Urlaub machen?

Zitat:
Mir ist es "sozialistisch" genug, wenn Patientenvertretungen über ihr Geld und die Geschicke im Gesundheitswesen mitbestimmen können, mehr möchte ich gar nicht.
Warum sollte das nicht möglich sein? Ihre Angst davor ist mir ein Rätsel.
Ach, davor habe ich keine Angst, sondern nur davor, wie es verwirklicht wird. Machen Sie dochmal ein konkretes Beispiel!

Und ich will weiterhin das eine Thema vertiefen, dass Sie angerissen haben: Sind Ihnen "einzelvertragliche Vereinbarungen" egal? Dann ist Ihnen die IGeLei egal?

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BeitragVerfasst: 15.12.11, 12:00 
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Morgan le Fay hat geschrieben:
De facto haben wir dann einen Selbstbedienungsladen, wenn
a) der Arzt anhand der Diagnose eine Therapie vorschlagen darf, die die Kassen (und damit die Gemeinschaft der Versicherten) ohne zu murren zahlen sollen, denn das führt unweigerlich zu immensem Kostenanstieg und Missbrauch.
Das gilt ja nur, wenn Sie die unsäglichen üblichen pauschalen Unterstellungen stillschweigend voraussetzen.
Morgan le Fay hat geschrieben:
b) der Arzt seine subjektive Zufriedenheit über seine Entlohnung zur Voraussetzung machen kann, Patienten morgen zu behandeln, in 6 Monaten zu behandeln oder überhaupt nicht zu behandeln.
Man geht dann halt in neue Berufsfelder, ins Ausland oder zum MDK. Für Schlaumeier und Fehlsteuerer noch eine Binsenweisheit: Qualität und ethische Verantwortung reagieren diametral entgegengesetzt zu Zwang und Unzufriedenheit.

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Ihr Achim Jäckel
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BeitragVerfasst: 15.12.11, 12:40 
Zitat:
Das Geld muss dann für alle notwendigen Behandlungen reichen, selbst wenn die einzelne Behandlung nur noch mit Peanuts (oder gar nicht mehr) entlohnt wird


Dieses Zitat von mir war nur die Antwort auf Ihre Hypothese, Ethik evtl. am Geld festmachen zu müssen (was wohl so kommen wird, aber WAS ICH JA NICHT WILL!!!!!)
Ich habe nirgends verlangt, dass man umsonst arbeitet. Ich tue das nicht und verlange das auch nicht von Ärzten, auch wenn man mir das immer wieder in den Mund legt. Es wird dadurch nicht wahrer.

Zitat:
Die langen Wartezeiten hängen nicht damit zusammen, sondern damit, dass der Arzt budgetiet ist und schlicht nicht mehr Geld kriegt.


Ja, das ist der Status quo, den Sie (und ich!!!) ändern wollen. ABER: Wenn Sie morgen ein Festgehalt von 10.000 Euro monatlich für eine Landarztpraxis erhalten und an jedem Patienten das komplette Repertoire moderner Medizin abspulen dürfen, könnte Ihnen vielleich übermorgen einfallen, dass Sie eigentlich 12.000 Euro haben wollen. Oder lieber in der Stadt wohnen wollen.

Zitat:
Und ich will weiterhin das eine Thema vertiefen, dass Sie angerissen haben: Sind Ihnen "einzelvertragliche Vereinbarungen" egal? Dann ist Ihnen die IGeLei egal?


Ich will es nicht vertiefen. Ich habe auch nie gesagt, dass sie mir "egal" sind, sondern auf Ihre Frage geantwortet, ob Sie es "nötig haben", "Entscheidungen öffentlich zu diskutieren".
Nehmen Sie es mir nicht übel, Humungus, Sie wissen, dass ich mich nicht vor Diskussionen drücke und ich zu meinen Ansichten stehe.
Aber wenn man mir das Wort im Munde herumdreht, ich mehrfach ein und denselben Satz erläutern und kommentieren muss, verlässt mich die Lust. Ich drücke mich ja eigentlich nicht undeutlich aus.

Ich werde weiter für meine Idee kämpfen (auch innerhalb meiner Partei) und denke, dass die Zukunft, die (@jäckel) übrigens mehr zugewanderte als abgewanderte Ärzte gebracht haben wird, erweist, dass ich nicht ganz daneben lag.


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BeitragVerfasst: 15.12.11, 13:21 
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Morgan le Fay hat geschrieben:
... die Zukunft, die (@jäckel) übrigens mehr zugewanderte als abgewanderte Ärzte gebracht haben wird, ...

Sicherlich nicht
- mit sozialistischen Methoden
- mit Strafmaßnahmen gegenüber renitenten Ärzten (ich erinnere an Ihren Kommentar gegenüber den Hausärzten)
- mit Bürokratisierung und unnötigem Zeitverlust
- mit Zwangsverschickung auf das Land
- mit dem "Großen Gleichmacher" Bürgerversicherung und Abschaffung der GOÄ
- mit einer Beweislastumkehr, die plump als "Patientenrechtestärkung" getarnt wird
- mit dem Herumreichen des Schwarzen Peters und dem Wort "Ethik" als Waffe. Morgan, reflektieren Sie Ihre eigenen Ärgernisse und Forderungen! Die Piraten haben die Wahl: ins gleiche Horn stoßen wie die Kaputtmacher und Anhänger der Medizinindustrie?

Aber wir haben ein Thema verlassen: wie soll denn Rationierung (und Rationalisierung) verlaufen? Wer soll entscheiden, welche Maßnahmen nocht indiziert sind und welche nicht? Wer ist der "Regulator"?

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BeitragVerfasst: 15.12.11, 13:51 
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Beiträge: 96
zerlina hat geschrieben:
Seit Jahresbeginn können gut verdienende Versicherte wesentlich leichter in die PKV wechseln. Inzwischen reicht ein einmaliges Überschreiten der Jahreseinkommensgrenze. Die PKV berichtet von 20 % Zuwachs. Das geht zu Lasten der GKV. Gesunde zahlungskräftige Versicherte wandern in die PKV ab. Alte, kranke und einkommensschwache Versicherte verbleiben in der GKV. Damit wird das Solidarprinzip ausgehebelt.

Unter bestimmten Bedingungen können 'Bedürftige' wieder in die GKV zurückkehren. Ist dies nicht der Fall zahlt das Sozialamt und zwar mehr als für Bedürftige bei der GKV bezahlt wird.

Ja und seit der Einführung der Versicherungspflicht, haben die privaten Krankenkassen (gestern erst gehört) Außenstände in Millionenhöhe, da rund 30% der Mitglieder ihre Beiträge einfach nicht zahlen, denn dank Versicherungspflicht kann man sie nicht einfach rausschmeißen.

Das tragen im Endeffekt dann die anderen, die ihre Beiträge zahlen mit.

Aber das nur mal so am Rande.

Abgesehen davon ist dieser Thread schon ziemlich weit entgleist.

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BeitragVerfasst: 15.12.11, 14:03 
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Zitat:
Aber wir haben ein Thema verlassen: wie soll denn Rationierung (und Rationalisierung) verlaufen? Wer soll entscheiden, welche Maßnahmen nocht indiziert sind und welche nicht? Wer ist der "Regulator"?


Danke, Humungus - es wird Zeit. mal wieder zum Thema und zur Ausgangsfrage dieses Thread zurückzukehren.

Macht "zunehmendes Alter" die Medzin teurer?

Ich will ein weiteres Beispiel nennen: Die "geriatrische Komplexbehandlung" (OPS 8.550*) ermöglicht den Krankenhäusern, zusätzliche Entgelte abzurechnen, wenn das Behandlungsteam bestimmte Kriterien bezüglich der Qualifikation erfüllt. Das Mindestalter liegt zwischen 60 und 70 Jahren, je nach Einzelfall.

Es gibt mittlerweile viele Krankenhäuser, die "geriatrische" Stationen haben, auch eine spezielle "Gerontopsychiatrie" gibt es bereits.

Die Krankheiten dieser Patienten wurden früher auch behandelt - mit der Erfüllung bestimmter Kriterien (Einbindung von Physio-, Ergotherapie, Logopädie und Sozialdienst sowie einem speziellem Facharzt mit Schwerpunkt "klinische Geriatrie") kann man aber jetzt, bei identischem Krankheitbild (!), mehr Geld erlösen.

Macht "zunehmendes Alter" die Medzin teurer?

Die Antwort lautet demnach wohl: ja. Oder?

Der demografische Wandel hat Strukturen im Gesundheitswesen geschaffen, die zusätzliches Geld kosten. Die Einsparung (schnellere Genesung, bessere Wiedereingliederung ins normale Leben) ist m.E. noch lange nicht belegt.

A. Flaccus

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Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
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BeitragVerfasst: 15.12.11, 14:17 
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Dr. A. Flaccus hat geschrieben:
Macht "zunehmendes Alter" die Medzin teurer?

Die Antwort lautet demnach wohl: ja. Oder?
Im Bereich der Augenheilkunde ohne Zweifel ja.

- Die Katarakt ist eine klassische Alterserkrankung. Der Altersdurchschnitt der operierten Patienten liegt bei 77 Jahren. Da macht jedes "Überlebensjahr" eine ganze Menge aus.
- bei der Makuladegeneration ist bekannt, dass sie im Alter dramatisch häufiger wird (bei 60-Jährigen ca. 5 %, bei 70-Jährigen ca. 15%, bei 80-Jährigen ca. 40%). Der Wunsch, auch im Alter noch lesen zu können, muss teilweise mit erheblichen Kosten erfüllt werden. Selbst wenn man das günstige Bevacizumab wählt, kann ein Jahr Therapie locker 4-5000 Euro kosten. Und: teilweise ist dies eine Dauertherapie!
- auch andere Erkrankungen, wie beispielsweise Glaukom oder vaskuläre Prozesse, werden im Alter wesentlich häufiger, machmal abhängig vom Allgemeinzustand, manchmal auch nicht. Diese Erkrankungen produzieren ebenfalls Kosten.
- ich hatte es bereits erwähnt: es sind sehr viele neue Diagnose- und Therapieverfahren entwickelt worden. Insbesondere die Präparate sind gelegentlich frech überteuert.

Letztendlich muss man entscheiden: Sehen oder sparen! Die Tragweite solcher Entscheidungen geht zwar in meinem Bereich "nur" quoad visum, aber: die Folgen sind unter Umständen drastisch, man denke nur an die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr oder zur Selbstversorgung.

Langfristig könnte eine Verlagerung auf höhere Alter geschehen (also dass das Durchschnittsalter für die Kat-OP bei beispielsweise 82 Jahren liegt) - aber: solche Effekte greifen doch erst nach Generationen. Ich für meine Person habe in knapp 20 Jahren klinischer Tätigkeit bis auf die typischen Ausnahmen nicht bemerkt, dass die Patienten zwar immer älter, aber auch immer gesunder werden. Vielmehr werden sie immer älter, aber die Erkrankungen haben sie trotzdem.

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BeitragVerfasst: 15.12.11, 14:54 
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Vielleicht könnte man sich die zusätzliche Lebenserwartung in einer für alle Beteiligten nützlichen Weise auch zu nutze machen.

Dazu müssten wir natürlich erstmal von diesem "Jugendwahn" runterkommen, der dazu führt, dass z.B. in großen Unternehmen regelmäßig einmal mit der Sense durch die Reihen der Arbeitnehmer gefahren wird und versucht wird, alle über 50 (oder welches Alter auch immer), auf die Straße zu setzen.
Und das in einer Gesellschaft, die zunehmend im Mittel älter wird.

Schließlich haben ältere Menschen vor allem eines: Lebenserfahrung.
Gut, so mancher denkt, so mein Gefühl, man könne Lebenserfahrung an der Uni studieren und dann ein Diplom dafür erhalten.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass ältere Menschen und dort vor allem diejenigen, die nicht mehr über große soziale Netzwerke verfügen, einfach wieder aktiv werden dürfen und können (wenn sie es möchten).

Ein Beispiel:
Man stelle sich mal vor: jeder Ältere der irgendeinen Beruf erlernt oder eine Tätigkeit ausgeübt hat, gibt dieses Wissen und seine Erfahrung an die jüngere, lernende Generation weiter.
Meines Erachtens unersätzliches Erfahrungswissen, von dem jeder Unternehmer nur profitieren kann.

Das mag zwar kein unmittelbarer geldwerter Vorteil sein (um diesen Terminus technicus mal zu verwenden), bringt aber einen Wissensgewinn, welcher nämlich aus volkswirtschaftlicher Sicht sehr wohl eine Form des Vermögens darstellt.

Diese Leistungen, die man, um es den Ökonomen recht zu machen, sogar in Zahlen ausdrücken kann, können dann eine Art - aus gesamtwirtschaftlicher Sicht - Bezahlung für die Leistungen sein.

Auf freiwilliger Basis, selbstverständlich.
Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass viele, die im Rentenalter das Gefühl haben nichts mehr leistungen und beitragen zu können und auch Menschen, die im Alter einsam sind (weil ihr Freundes- und Bekanntenkreis langsam zunehmend wegbricht), über eine solche Möglichkeit erfreut sein dürften.
Zumal auf diesem Wege dann im Alter auch wieder neue Kontakte mit anderen "Lehrenden" geknüpft werden können und so ein neues soziales Netz im dritten großen Lebensabschnitt geknüpft werden könnte.

Das ist natürlich eine stark idealisierte und vereinfachte Darstellung, ich möchte sie aber als einen konstruktiven Beitrag zu einem Gegenkurs in diesem Thread zur offenen Diskussion stellen und würde gerne Meinungen und Ansichten dazu hören.

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BeitragVerfasst: 15.12.11, 20:52 
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SubclaviusMaximus hat geschrieben:
Ja und seit der Einführung der Versicherungspflicht, haben die privaten Krankenkassen (gestern erst gehört) Außenstände in Millionenhöhe, da rund 30% der Mitglieder ihre Beiträge einfach nicht zahlen, denn dank Versicherungspflicht kann man sie nicht einfach rausschmeißen
Deshalb sprachen Zyniker auch von einem 'Rettungspaket' für die PKV. Röslers Pläne gingen damals noch viel weiter. Er wollte Zusatzversicherungen nur noch über die PKV zulassen und Vorkasse für gesetzlich Versicherte. Aber das ist ein anderes Thema :wink:


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BeitragVerfasst: 15.12.11, 21:02 
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Beiträge: 6197
Wohnort: Lörrach
In meinem Fach in vielen Fällen nicht.

Ich würd mal versuchen, die beiden Faktoren von "Kosten"
nämlich "Menge" und "Preis"
auseinander zu halten.


Am Beispiel Brustkrebs hatt ich gezeigt,

dass der zwar mit dem Alter unentwegt zunimmt,
(Prävalenz pro Alterskohorte),
aber
gar nicht so dolle in der Absolutzahl, denn das ganz hohe Alter erreichen ja nicht alle sondern verabschieden sich vorher aus anderen Gründen
und
in vielen Fällen gar nicht erkannt wird und behandelt werden muss,
screenen tun wir nach 70 ja auch nicht mehr
(Menge steigt nicht wesentlich)

und
in vielen Fällen deutlich weniger komplex und weniger komplikationsträchtig (nach)behandelt wird als in jüngerem Alter
(DocAlf: das u n t e r s t ü t z e n eben die Prognosemarker sehr häufig)
was nach meiner Erfahrung mit vollem Einverständnis der Patientinnen so erfolgt,
insofern ist das k e i n e Rationierung
(Preis sinkt eher)

PR

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Von Fremdinteressen freie an Patienteninteresse orientierte eigene Meinung.
99 2988 015 Die Nummer zur Sicherheit


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