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Rückenschmerzen{{Vorlage:Infobox ICD | BREITE = | 01-CODE = M54.0 | 01-BEZEICHNUNG = Pannikulitis in der Nacken- und Rückenregion | 02-CODE = M54.1 | 02-BEZEICHNUNG = Radikulopathie | 03-CODE = M54.2 | 03-BEZEICHNUNG = Zervikalneuralgie | 04-CODE = M54.3 | 04-BEZEICHNUNG = Ischialgie | 05-CODE = M54.4 | 05-BEZEICHNUNG = Lumboischialgie | 06-CODE = M54.5 | 06-BEZEICHNUNG = Kreuzschmerz | 07-CODE = M54.6 | 07-BEZEICHNUNG = Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule | 08-CODE = M54.8 | 08-BEZEICHNUNG = Sonstige Rückenschmerzen | 09-CODE = M54.9 | 09-BEZEICHNUNG = Rückenschmerzen, nicht näher bezeichnet }} Rückenschmerzen sind mehr oder minder starke Schmerzen des menschlichen Rückens, die ganz unterschiedliche Ursachen haben können. Mediziner sprechen von Dorsalgie (v. lat. dorsum „Rücken“ und griech. ἄλγος - algos „Schmerz“), oder von Lumbalgie/Lumbago (lat. lumbus = Lende; dt. auch Hexenschuss), wenn die Lenden-Kreuzbeinregion betroffen ist.
Definition
Die altertümlichen Bezeichnungen Hexenschuss, Alpschoss, Beinschuss, Geschoss, Hexenstich, Lendenübel, Schuss oder Speer deuten auf vorwissenschaftliche Erklärungsmuster hin. Als Hexenschuss bezeichnet man volkstümlich auch einen plötzlichen, stechenden Schmerz im Rücken, der durch Reizung der sensiblen Eigeninnervation der Wirbelsäule ausgelöst wird, d.h. der Nerven, welche die Wirbelsäule selbst versorgen - also nicht durch Kompression der aus der Wirbelsäule austretenden Spinalnerven, die den übrigen Körper versorgen. Es handelt sich um einen häufig akut einsetzenden, zunächst segmental, meist stechenden Kreuzschmerz, der oft mit Lähmungsgefühl, Zwangshaltung, Bewegungssperre, Hartspann, Dornfortsatzdruckschmerz, etc. verbunden ist. Nach einem schmerzarmen Intervall ist evtl. der Übergang in eine chronische Form möglich. Die Abgrenzung zu den Nervenwurzelreizungen wie z. B. dem Ischiassyndrom ist nicht immer ohne Weiteres möglich. Der Arzt spricht gelegentlich von einer „pseudoradikulären Symptomatik“, wenn das Schmerzgebiet zwar ausstrahlt, aber nicht mit dem Dermatom eines Spinalnerven übereinstimmt. EpidemiologieIn Deutschland haben statistisch gesehen zur Zeit 27 – 40 % der Menschen Rückenschmerzen. Etwa 70 % haben die Schmerzen mindestens einmal im Jahr und etwa 80 % klagen mindestens einmal im Leben über Rückenschmerzen. Damit erkranken Deutsche im internationalen Vergleich eher häufig. Vergleiche sind jedoch schwierig. Von den Abschnitten der Wirbelsäule ist die Brustwirbelsäule (BWS) hinsichtlich Rückenschmerzen prozentual am wenigsten betroffen. Rückenschmerzen sind nach den Infektionen des Atemtrakts die zweithäufigste Ursache für Arztbesuche.<ref>Nach W. Fink, G. Haidinger: Die Häufigkeit von Gesundheitsstörungen in 10 Jahren Allgemeinpraxis. Z. Allg. Med. 83 (200) 102-108. Zitiert nach "Womit sich Hausärzte hauptsächlich beschäftigen, MMW-Fortschr. Med. Nr. 16/2007 (149. Jg.)</ref> Bei Männern sind Rückenschmerzen mit 14 % die häufigste, bei Frauen mit 11 % die zweithäufigste Ursache für Arbeitsausfälle. Am häufigsten sind Rückenschmerzen in der Altersgruppe der 50- bis 70-Jährigen zu verzeichnen. Kinder sind davon nicht ausgenommen – die in der Schule und vor dem Fernseher oder Computer verbrachten Stunden begünstigen das Entstehen von Haltungsschäden. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der verschiedenen Erkrankungen der Wirbelsäule ist enorm. Bei den meisten Frührenten stellt die Wirbelsäule mehr oder weniger direkt den Anlass zur Berentung dar, auf diese Gruppe von Krankheitsbildern entfallen die meisten Arbeitsausfälle. UrsachenOrthopädieDer wohl häufigste Anlass für eine Dorsalgie besteht in einer Funktionsstörung der Gelenke im Bereich der Wirbelsäule. Das sind die Wirbelgelenke, mit denen die Brustwirbel untereinander kommunizieren, und die, mit denen die Rippen und die Querfortsätze der BWS verbunden sind. Beim Jugendlichen kann die Scheuermann-Krankheit im floriden Stadium solche Beschwerden auslösen. Die später, im Erwachsenenalter bestehenden Veränderungen der Wirbelkörper, die dem Zustand nach einer Scheuermannschen Krankheit entsprechen, können ebenfalls diese Symptome verursachen. Ca. 90 % aller chronischen (rezidivierenden oder persistierenden) Rückenschmerzen sind unspezifisch – d. h.: Eine Abklärung der Beschwerden führt zu keiner befriedigenden Diagnose. Der restliche Anteil verteilt sich als spezifischer Rückenschmerz auf folgende Krankheitsbilder:
Innere MedizinVor allem bei bewegungsunabhängigen Rückenschmerzen muss auch an internistische Erkrankungen gedacht werden. Atemabhängige Schmerzen können durch eine Rippenfellentzündung (Pleuritis), belastungsabhängige Schmerzen durch eine koronare Herzkrankheit und nahrungsabhängige Schmerzen durch ein Zwölffingerdarmgeschwür verursacht sein. Gallenkoliken strahlen oft in die rechte Schulter und gelegentlich in den Rücken aus, auch der Schmerz einer Bauchspeicheldrüsenentzündung kann in den Rücken projiziert werden. Ein akut auftretender starker Schmerz zwischen den Schulterblättern ist Leitsymptom der Aortendissektion, auch Herzinfarkte und Lungenembolien können sich in Form eines plötzlichen Rückenschmerzes präsentieren. Bei Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule muss auch an eine Nierenbeckenentzündung und Nieren- oder Harnleitersteine gedacht werden. Auch eine Gürtelrose kann vor dem Auftreten typischer Hautbläschen unklare Schmerzen verursachen. PsychosomatikWie in allen Bereichen der Wirbelsäule können auch psychosomatische Schwierigkeiten eine Rolle bei der Schmerzentstehung spielen: Die Wirbelsäule ist dafür ein wichtiges „Erfolgsorgan“. Formulierungen wie: „Jemand hat schwer an etwas zu tragen“, „Das hat jemandem das Rückgrat gebrochen“, „Jemand müsse katzbuckeln“ sind Hinweise aus der Umgangssprache, die sich auf diesen Zusammenhang beziehen. Schmerzzustände ohne organischen Hintergrund können als Konversion einer Depression auftreten. Neuere Studien belegen auch die Wirksamkeit einer Psychotherapie: Verhaltenstherapie führt sowohl bei akuten,<ref>Hasenbring M, Ulrich HW, Hartmann M et al. The efficacy of a risk factor-based cognitive behavioural intervention and electromyographic biofeedback in patients with acute sciatic pain: an attempt to prevent chronicity. Spine 1999; 24: 2525-35</ref> als auch bei chronischen Kreuzschmerzen<ref>Turner J. A. (1996). Educational and behavioral interventions for back pain in primary care. Spine; 21: 2851-59</ref><ref>van Tulder, Ostelo R, Vlaeyen JWS, Linton SJ, Morley SJ, Assendelft WJJ (1999). Behavioral treatment for chronic back pain. In: Tulder Mwvan, Koes BW, Assendelft WJJ, Bouter LM (Eds.): The effectiveness of conservative treatment of acute and chronic low back pain. EMGO Institute Amsterdam, pp.223-56</ref> zu einer effektiveren Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung. Manuelle MedizinAuch bei der unspezifischen Lumbalgie finden sich regelmäßig Blockierungen insbesondere im Bereich der Lendenwirbelsäule und der Iliosacralgelenke. Diese können primär oder sekundär auftreten. PrognoseDie Mehrheit der Menschen mit Rückenschmerzen hat eine gute Prognose. In über der Hälfte der Fälle verschwinden die Schmerzen innerhalb einer Woche, nach zwei Wochen sind ca. 80 % zumindest soweit gebessert, dass sie ihrer üblichen Tätigkeit nachgehen können. Rezidive sind allerdings häufig. DiagnostikDie Anamnese erfragt die Schmerzcharakteristik, z. B. bei welcher Gelegenheit die Schmerzen auftreten und ob sie bewegungsabhängig sind. Die klinische Untersuchung soll z. B. anatomische Längendifferenzen der Beine und hieraus sich ableitende pathologische Veränderungen sowie Funktionsdefizite aufdecken (Schreiber in Hoffmann/Siegfried 2005). Bei der klinischen Untersuchung können auch eine verquollene Muskulatur und ein örtlicher Druckschmerz auffallen. Ist ein Rippengelenk beteiligt, hebt sich die zugehörige Rippe aus dem Relief des Brustkorbes ab. Apparative Diagnostik (Konventionelle Röntgenaufnahmen, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie) ist manchmal notwendig, vor allem bei Lähmungen der Beine und bei Störungen der Blasen- und Mastdarmfunktion. Eine randomisierte, kontrollierte Studie aus Kalifornien von M. C. Jensen und anderen mit MRT-Untersuchungen der Lendenwirbelsäule von 98 beschwerdefreien Personen zeigte bei 52 % der Untersuchten eine Vorwölbung der Bandscheibe(n), bei 27 % einen Bandscheibenvorfall, bei 1 % einen Bandscheibenvorfall mit Kompression des umliegenden Nervengewebes. 38 % wiesen Abnormalitäten an mehr als einer Bandscheibe auf (Schreiber in Hoffmann/Siegfried 2005). TherapieDie Behandlung richtet sich nach der Ursache der Beschwerden. Allerdings handelt es sich bei der überwiegenden Anzahl von Schmerzepisoden um ein vorübergehendes Ereignis, das nur einer symptomatischen Therapie (Schmerzmittel, Krankengymnastik, Massage, Fango etc.) bedarf, wobei durch rasche möglichst zielgerichtete Therapie die Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses vermieden werden sollte<ref>Ritzel in Hoffmann/Siegfried 2005</ref>. Die Leitlinien der orthopädischen Fachgesellschaft und der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft betonen, dass nur Maßnahmen langfristig nützlich sind, die die aktive Mitarbeit des Patienten einbeziehen. Monate- oder jahrelang fortgesetzte Interventionen mit passivierenden Therapien müssen vermieden werden, weil sie die Chronifizierung des Rückenschmerzes fördern. Eine Metaanalyse von Studien zu nichtoperativen Behandlungsverfahren<ref>A.Keller et al., Effect sizes of non-surgical treatments of non-specific low-back pain. Eur. Spine J. 2007. DOI: 10.1007/s00586-007-0379-x, abgewandelt zitiert nach "Rückenschmerzen: Was hilft wirklich?", MMW-Fortschr. Med. Nr. 14/2008 (150. Jg.), Seite 20</ref> zeigte, dass bei akuten Rückenschmerzen nur nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAR) signifikante Effekte aufweisen. Bei chronischen Schmerzen halfen vor allem Akupunktur und verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Osteopathie, manuelle Medizin, Entspannungsübungen, autogenes Training, Massagen, Elektromassagen und Dehnen verkürzter Muskulatur sowie entsäuernde Maßnahmen<ref>Dickreiter in Hoffmann/Siegfried 2005</ref> werden ebenfalls angewendet. Lokale Infiltrationen sollen die Muskulatur lockern. Physiotherapeutische Maßnahmen werden von den meisten Patienten als wohltuend erlebt, das Kosten/Nutzen-Verhältnis wird von den Versicherern jedoch oft als unangemessen bezeichnet und Studien, die deren Nutzen belegen, sind spärlich vorhanden. Die Wirksamkeit der Akupunktur wurde in Deutschland in den letzten Jahren in vergleichenden Studien untersucht <ref>Endres, Heinz G.; Victor, Norbert; Haake, Michael; Witte, Steffen; Streitberger, Konrad; Zenz, Michael, "Akupunktur bei chronischen Knie- und Rückenschmerzen" (Acupuncture for the Treatment of Chronic Knee and Back Pain), Deutsches Ärzteblatt 104, Ausgabe 3 vom 19.1.2007, Seite A-123 Online</ref><ref>Ärzteblatt: Melchart, Dieter; Streng, Andrea; Hoppe, Andrea; Jürgens, Susanne; Weidenhammer, Wolfgang; Linde, Klaus Akupunktur bei chronischen Schmerzen: Ergebnisse aus dem Modellvorhaben der Ersatzkassen Acupuncture for chronic pain – results from the research program of ten health insurance funds Deutsches Ärzteblatt 103, Ausgabe 4 vom 27. Januar 2006, Seite A-187/B-160/C-159 </ref><ref>Ärzteblatt: Witt, Claudia M.; Brinkhaus, Benno; Jena, Susanne; Selim, Dagmar; Straub, Christoph; Willich, Stefan N., Wirksamkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit der Akupunktur - Ein Modellvorhaben mit der Techniker-Krankenkasse, Efficacy, effectiveness, safety and costs of acupuncture Deutsches Ärzteblatt 103, Ausgabe 4 vom 27. Januar 2006, Seite A-196/B-169/C-167</ref>. Auch Yoga, Magnetfeldtherapie und die Feldenkrais-Methode werden bei Rückenschmerzen empfohlen. Alexander-Technik sowie die Rückenschule<ref>Kremer in Hoffmann/Siegfried 2005</ref> wirken bei Rückenschmerzen durch Erlernen von körpergerechter Bewegung und deren Anwendung im Alltag. Placebos können bei Rückenschmerzen hochwirksam sein<ref>"Wie gut eine Schmerztherapie wirkt, hängt auch von der Erwartungshaltung ab", "Hausärztliche Highlights vom Deutschen Schmerzkongress" in MMW-Fortschr.Med. Nr. 51-52/2007 (149. Jg.), S. 6</ref>. VorbeugungZur Vorbeugung wichtig ist stabilisierende Gymnastik und Ausgleichssport sowie ein "rückengerechtes" Verhalten im Alltag, z. B. beim Heben von Lasten ("Präventive Rückenschule") (Kremer in Hoffmann/Siegfried 2005). Sitzende Berufe (Bürotätigkeiten, Berufskraftfahrer, ...) sind weit häufiger von Rückenschmerzen betroffen als Schwerarbeiter. Deswegen empfiehlt sich für sitzende Berufe wenn möglich das gelegentliche Nutzen eines Gymnastikballs und gelegentliche Streckübungen schon während der sitzenden Tätigkeit um unnötige Muskelverkrampfungen zu vermeiden. Einzelnachweise<references/> Weiterführende InformationenSiehe auch
Quellen
Literatur
Weblinks
en:Back pain es:Espalda#Dolor_de_espalda fr:Mal de dos it:Dorsopatia nl:Rugpijn pt:Dor nas costas |
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